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Leben und Tod Konigs Richard des zweyten.
William Shakespeare
Ein Trauerspiel.
Ubersetzt von Christoph Martin Wieland
Personen.
Konig Richard der Zweyte.
Herzog von York.
Johann von Gaunt, Herzog von Lancaster.
Bolingbroke, Sohn des Johann von Gaunt, und nachmals Konig
Heinrich der Vierte.
Aumerle, Sohn des Herzogs von York.
Mowbray, Herzog von Norfolk.
Graf von Salisbury.
Lord Berkley.
Buschy, Bagot und Green, Diener des Konigs Richard.
Graf von Northumberland, Lord Percy, dessen Sohn, Ros und
Willougby, Bolingbroks Freunde.
Bischoff von Carlisle und Sir Stephan Scroop, Freunde des Konigs
Richard.
Fizwater, Surry, Abbt von Westminster und Sir Pierce von Exton,
Herren vom Parlament.
Die Konigin, Konig Richards Gemalin.
Die Herzogin von Glocester.
Die Herzogin von York.
Hofdamen der Konigin.
Herolde, zween Gartner, ein Kammerdiener, ein Huter, ein Bote, und
andre stumme Personen.
Der Schauplaz ist in verschiednen Theilen von England.
Erster Aufzug.
Erste Scene.
(Der Hof.)
(Konig Richard, Johann von Gaunt, Lords und Gefolge treten auf.)
Konig Richard.
Johann von Gaunt, Herzog von Lancaster, ehrenvoller Greis; hast du,
deinem Eid und deiner Pflicht gemas, Heinrichen von Herford, deinen
kuhnen Sohn anhergebracht, um jene Anklage zu behaupten, die er
unlangst gegen Thomas Mowbray, Herzog von Norfolk angebracht, und
die wir damals anzuhoren keine Musse hatten?
Gaunt.
Ich habe ihn hieher gebracht, Gnadigster Herr.
Konig Richard.
So sage mir dann ferner: Hast du nicht von ihm erforscht, ob es nur
ein alter eingewurzelter Groll gegen seine Person ist, was ihn zu
dieser Klage angetrieben; oder die pflichtmasige Treue eines guten
Unterthanen, um einen geheimen Verrather in Mowbray zu entlarven?
Gaunt.
So viel als ich von ihm uber diese Sache herausbringen konnte, so
ist es kein Privat-Groll, sondern die vermeynte Entdekung einer
uber Eurer Hoheit schwebenden Gefahr.
Konig Richard.
So ruffe man sie dann vor unsre Gegenwart; wirs selbst wollen,
Stirne gegen Stirne, den Klager und den Beklagten reden horen: Sie
sind beyde von sehr feuriger Gemuths-Art, beyde voll Grimms; in
ihrer Wuth beyde taub wie die See, und rasch wie Feuer.
Zweyte Scene.
(Bolingbroke und Mowbray zu den Vorigen.)
Bolingbroke.
Moge eine lange Reyhe von Jahren, voll gluklicher Tage, meinem
gnadigsten und geliebtesten Oberherrn bestimmt seyn!
Mowbray.
Und jeder Tag die Glukseligkeit des vorigen vermehren, bis der
Himmel, der Erde soviel Gluk misgonnend, das Vorrecht der
Unsterblichkeit zu eurer Crone hinzuthut.
Konig Richard.
Wir danken euch beyden; obgleich die Sache selbst, weswegen ihr vor
uns erschienen seyd, ein Beweis ist, das uns einer von beyden
schmeichelt. Vetter von Hereford, sage, was fur Vorwurfe gegen den
Herzog von Norfolk, Thomas Mowbray, hast du anzubringen?
Bolingbroke.
So wisset dann vor allen Dingen, Gnadigster Konig, und der Herr sey
meiner Reden Zeuge! das ich aus Antrieb der pflichtmasigen Liebe
eines getreuen Unterthanen, aus zartlicher Sorge fur die Erhaltung
meines Fursten, frey von Groll, Rachgier oder andrer unachter
Absicht, als Anklager hieher in seine konigliche Gegenwart gekommen
bin. Nun, Thomas Mowbray, wend' ich mich zu dir, und horche wol
auf meinen Grus; denn was ich reden werde, wird entweder dieser Arm
auf Erden erproben, oder meine unsterbliche Seele im Himmel
verantworten. So sag' ich dann: Du bist ein Verrather und Rebell,
zu gut, ein solcher zu seyn, und zu schlimm, beym Leben zu bleiben;
denn je schoner und crystallner der Himmel ist, desto haslicher
sehen die Wolken aus, die ihn befleken. Noch einmal, das Gewicht
meiner Anklage zu verdoppeln, stopf ich dir mit dem schandlichen
Namen eines Verrathers den Rachen, und wunsche, das mir von meinem
Gnadigsten Oberherrn erlaubt werde, an eben diesem Plaz und in
diesem Augenblik, was meine Zunge gesprochen hat, durch mein recht-
gezognes Schwerdt zu beweisen.
Mowbray.
Last nicht hier die Kalte meiner Worte meinen Eifer verdachtig
machen; diese unsre Sache kan nicht mit den Waffen eines
Weiberkriegs, dem bittern Geschrey zwoer scharfen Zungen, unter uns
entschieden werden. Das Blut ist heis, das fur dis erkalten mus.
Jedoch kan ich mich keiner so zahmen Geduld ruhmen, mich stossen zu
lassen, und gar nichts dazu zu sagen; und wurde mich nicht die
Ehrfurcht vor Eu. Hoheit zuruk halten, meiner freyen Rede Zugel
und Sporren zu geben, sie sollte schnell genug seyn, diese
Beschuldigungen von Verratherey zweyfach in seinen Rachen zuruk zu
stossen. Sezet aber das hohe Vorrecht seines koniglichen Gebluts
bey Seite, und last ihn nicht den Vetter meines Konigs seyn, so
biet ich ihm troz, und verschmahe ihn, nenne ihn eine
verlaumderische Memme, und einen nichtswurdigen Schurken, und bin
bereit, ihm zu beweisen das er's ist, an welchem Ort er will mit
ihm zusammen zu kommen, und wenn ich gleich mit naktem Fus auf die
befrornen Gipfel der Alpen rennen muste, oder in welche andre
unbewohnbare Gegend es seyn mag, wohin nie kein Englander es wagte
seinen Fus zu sezen. Indes last dis meine Treue rechtfertigen: Bey
allen meinen Hoffnungen, er hat die lugenhafteste Unwahrheit gesagt.
Bolingbroke.
Blasser, zitternder Verrather, hier zieh ich meinen Handschuh, lege
die Vorrechte meines koniglichen Gebluts bey Seite, und begebe mich
des Vortheils, der Blutsverwandte eines Konigs zu seyn, (worauf du
aus Zagheit, nicht aus Ehrfurcht dich beruffen hast.) Wenn das
bebende Bewustseyn deiner Schuld dir noch so viel Starke ubrig
gelassen hat, dieses Pfand meines Ehrenworts anzunehmen, so buke
dich. Bey diesem, und bey allen andern Gesezen der Ritterschaft
mach' ich mich anheischig, das was ich gesprochen habe, Arm gegen
Arm, dir zu beweisen.
Mowbray.
Ich heb' ihn auf, und bey diesem Schwerdt schwor' ich, dessen
sanfter Schlag die Ritterschaft auf meine Schulter legte; das ich
dir mit Speer und Schwerdt, nach ritterlichem Brauch und Sitte
antworten will, und wenn ich mein Pferd besteige, moge ich nicht
gesund wieder absteigen, wofern ich ein Verrather bin, oder fur
eine ungerechte Sache kampfe!
Konig Richard.
Was ist es dann, was unser Vetter den Mowbray bezuchtiget? Es mus
etwas Grosses seyn, was uns vermogen kan, dem blossen Gedanken
einer bosen Gesinnung von seiner Seite Plaz zu geben.
Bolingbroke.
Horet was ich sage, mein Leben soll beweisen, das es Wahrheit ist;
dieser Mowbray, sage ich, hat achttausend Nobels* aufgenommen,
unter dem Vorwand Eu. Hoheit Kriegs-Volker damit zu unterhalten,
solche aber wie ein Verrather und schelmischer Bube zuruk behalten,
und fur sich selbst zu luderlichem Gebrauch angewandt. Uberdas
sag' ich, und will es durch einen Zweykampf beweisen, entweder hier,
oder anderswo, sey es bis auf dem aussersten Stuk Landes, das
jemals ein Englandisches Aug' ubersehen hat, das alle Verrathereyen,
die seit achtzehn Jahren in diesem Konigreich angezettelt worden,
von diesem treulosen Mowbray ihren ersten Ursprung genommen haben.
Ferner sag' ich, und will es auf seinen ehrlosen Kopf beweisen, das
er Ursacher der Ermordung des Herzogs von Glocester war; das er es
war, der seine leichtglaubige Feinde aufstiftete, und das er
folglich es war, der wie ein feiger schelmischer Meuchelmorder sein
unschuldiges Blut vergos, welches izt, gleich Abels Blut, aus den
stummen Gewolben der Erde zu mir um gerechte und strenge Rache
schreyt. Und, bey dem glorreichen Werth dieses Bluts, das in
meinen eignen Adern fliest, dieser Arm soll es vollziehen, oder
dieses Leben soll aufgeopfert werden.
{ed.-* Eine alte Munze, die an Werth etwas uber sechs Englische
Schillings betragen haben soll.}
Konig Richard.
Was sagst du hiezu, Thomas von Norfolk?
Mowbray.
O mochte mein Gebietender Herr sein Angesicht wenden, und seinem
Ohr einen Augenblik taub zu seyn befehlen, bis ich diesem
Schandflek seines Bluts gesagt habe, wie sehr Gott und Menschen
einen so schandlichen Lugner hassen.
Konig Richard.
Mowbray, unsre Augen und Ohren sind ohne Partheylichkeit; war' er
unser Bruder, ja war' er der Erbe unsers Reichs, wie er nur unsers
Vaters Bruders-Sohn ist, dennoch sollte, ich schwor' es bey der
Majestat meines Scepters, eine so nahe Verwandtschaft mit unserm
geheiligten Blut ihm nicht das geringste Vorrecht geben, noch die
unbiegsam Festigkeit unsrer aufrichtigen Seele partheyisch machen.
Er ist unser Unterthan, Mowbray, wie du; rede frey und ungescheut,
ich erlaub' es dir.
Mowbray.
So sag ich dann, Bolingbroke, in deinen verlaumdrischen Hals hinein,
du lugst! Drey Theile von der Summe, die ich fur Calais erhielt,
bezahlte ich an Sr. Hoheit Kriegs-Volker; das ubrige behielt ich
mit Einwilligung, fur eine Schuld zuruk, die ich an meinen Konig zu
fordern hatte, den Rest der betrachtlichen Auslagen die ich machte,
da ich lezthin nach Frankreich reiste, die Konigin abzuholen. Nun,
schluke diese Luge hinab--Was Glocesters Tod betrift, so war ich's
nicht, der ihn erschlug. Wofern jemand berechtigt seyn sollte, mit
einer solchen Beschuldigung wieder mich aufzutreten, so war' es der
ehrenvolle Vater meines Feindes, ihr mein edler Lord von Lancaster;
euch stellt' ich einst hinterlistig nach dem Leben, ein Verbrechen,
das noch immer meine reuvolle Seele foltert; aber ich beichtete es,
eh ich leztmals das Sacrament empfieng, und ich bat euch so
aufrichtig um Verzeihung, das ich sie erhalten zu haben hoffe. Dis
ist mein Vergehen; alles ubrige, dessen er mich anklagt, ist der
Geifer eines grollsuchtigen, lugenhaften und hochst ausgearteten
Verrathers; und zum Zeichen das ich Muth habe, dieses mit meinem
Leben zu beweisen, werf ich gleichfalls mein Pfand vor dieses
ubermuthigen Verrathers Fusse hin; in dem besten Blut, das in
seinem Herzen wallt, will ich beweisen, das ich ein rechtschaffner
Edelmann bin; und damit ich nicht lange verziehen musse, bitte ich
Eu. Hoheit herzlichst, den Tag zu unserm Zweykampf anzusezen.
Konig Richard.
Ergrimmte Edle, last euch von euerm Fursten zahmen; last uns diese
Galle ohne blutvergiessen ausfuhren; Eure Wuth wurde zu tiefe
Einschnitte machen, und unsre Arzte sagen, es sey izt nicht Zeit
zum Bluten. Vergest, vergebt, vergleicht euch, und werdet
zufrieden; mein lieber Oheim, helft mir diesen Zwist in seiner
Geburt erstiken; wir wollen den Norfolk besanftigen, ihr euern Sohn.
Gaunt.
Es kan meinen Jahren nicht ubel anstehen, wenn ich ein
Friedensstifter bin. Sohn, wirf des Herzogs von Norfolk Pfand
wieder hin.
Konig Richard.
Und ihr, Norfolk, werfet seines hin.
Gaunt.
Wie, Harry, du zogerst? Mus ich zweymal Gehorsam verlangen?
Mowbray.
Mich selbst, mein Gnadigster Souverain, werf' ich zu deinen Fussen;
mein Leben kanst du fordern, aber nicht meine Ehre. Jenes ist
meine Lehens-Pflicht dir schuldig; aber an meinen unbeflekten Namen
hast du (troz dem Tode, der auf meinem Grabe lebt **) kein Recht,
und nimmermehr werd' ich zugeben, das er zur Schande misbraucht
werde. Ich bin hier angegriffen und beschimpft worden, bis in die
Seele mit der Verlaumdung vergiftetem Speer durchstochen, und diese
todtliche Wunde kan kein andrer Balsam heilen, als das Blut aus dem
Herzen, welches diesen Gift ausgeathmet hat.
{ed.-** Die Reime, womit dieses Stuk hie und da verbramt ist, sind
nach Pope's Anmerkung, meist ausserordentlich schlecht, so schlecht,
das dieser scharfsinnige Criticus vermuthet, sie seyen von einer
fremden Hand. Dieser jammerliche Einfall, der in ( ) eingeschlossen
ist, und alle andre von dieser Art durch dieses ganze Stuk, sind
dergleichen Reime, an die der Ubersezer sich dann auch nicht
gebunden halten wird.}
Konig Richard.
Wuth mus Widerstand finden; gieb mir sein Pfand: Lowen machen
Leoparden zahm.
Mowbray.
Ja, aber sie loschen ihre Fleken nicht aus; nehmt nur meine
Beschimpfung von mir, so will ich mein Pfand abtreten. Mein
theurer, theurer Gebieter, der achteste Schaz eines Mannes ist
unbeflekte Ehre; ist diese verlohren, so sind Menschen nur
uberguldeter Leim oder gemahlter Koth. Meine Ehre ist mein Leben,
sie sind in eins verwachsen; nehmt mir meine Ehre, so habt ihr mein
Leben genommen. So last mich dann meine Ehre bewahren, mein
theurer Oberherr; in ihr leb' ich, und fur sie will ich sterben.
Konig Richard.
Vetter, werft euer Pfand hin, macht ihr den Anfang.
Bolingbroke.
Der Himmel bewahre meine Seele vor einer so schandlichen
Niedertrachtigkeit. Wie, ich sollte mich vor meines Vaters Augen
uberwunden geben, oder mit einem blassen Bettler-Gesicht mich
selbst vor diesem ausgeschamten Bastard anklagen? Eh meine Zunge
einen solchen Laut von sich geben soll, eh sollen meine Zahne das
sclavische Werkzeug der wiederruffenden Feigheit durchschneiden und
sie blutend in Mowbrays schandliches Antliz speyen.
(Gaunt geht ab.)
Konig Richard.
Wir sind nicht gebohren zu bitten, sondern zu befehlen; und da wir
dieses nicht konnen, um euch auszusohnen, so haltet euch, so gewis
als euer Leben dafur antworten soll, bereit, auf Sct. Lamberts Tag
zu Coventry zu erscheinen. Dort sollen eure Lanzen und Schwerdter
den schwellenden Zwist eures tiefgewurzelten Hasses entscheiden:
Lord Marschall, ertheilt euern Herolden und Officieren Befehl,
alles zu dieser feyerlichen Handlung zuzurusten.
(Sie gehen alle ab.)
Dritte Scene.
(Der Schauplaz verwandelt sich in des Herzog von Lancaster Palast.)
(Gaunt und Herzogin von Glocester treten auf.)
Gaunt.
Ach, Schwester! Denkt ihr, das eure Ausruffungen mich starker als
der Bruder-Name treiben konnen, gegen die Morder von Gloster's
Leben zu entbrennen? Aber da die Bestraffung dieser Ubelthat in
den nemlichen Handen ligt, welche die Ubelthat begangen haben, so
last uns unsre Sache dem Himmel anheim stellen, der, wenn er die
Stunde dazu auf Erden gereift sieht, heisse Rache auf der
Verbrecher Haupt regnen wird.
Herzogin.
Ist das alles, wozu der Name deines ermordeten Bruders dich treiben
kan! Hat die Liebe nicht mehr Warme in deinem alten Blut? Edwards
sieben Sohne, wovon du selbst einer bist, waren wie sieben Phiolen
mit seinem geheiligten Blut angefullt, oder wie sieben schone
Zweige, aus einem Stamm entsprossen; einige von diesen sieben
Phiolen sind durch den Lauf der Natur ausgetroknet, einige von
diesen Asten durch das Schiksal abgeschnitten; aber Thomas, mein
theurer Gemal, mein Gloster, (eine Phiole voll von Edwards
geheiligtem Blut, ein bluhender Zweig aus seinem koniglichen Stamm)
ist gewaltthatig zerbrochen, und all sein kostbarer Saft
verschuttet, ist umgehauen und alles sein Sommerlaub verwelkt,
durch die Hand des Neids zerbrochen, durch des Meuchelmords blutige
Axt umgefallt--Und du kanst gelassen bleiben? O, Gaunt, sein Blut
war auch deines; eben dieses Ehebett, eben dieser Mutterleib,
dieser Stoff, diese nemliche Form, so dich bildeten, machten ihn
zum Menschen; in ihm, ob du gleich lebst und athmest, bist auch du
erschlagen, ja du willigst gewisser Maassen in deines Vaters Tod
ein, indem du deinen unglukseligen Bruder, ihn, der ein Theil von
deines Vaters Leben war, so gleichgultig sterben siehst. Nenn' es
nicht Geduld, Gaunt, es ist Muthlosigkeit; indem du so gelassen
duldest, das dein Bruder erschlagen worden, zeigst du den nakten
Pfad zu deinem eignen Leben, und lehrst den unerbittlichen Mord
dich auch zu mezeln. Das, was wir an gemeinen Menschen Geduld
nennen, ist blasse, kalte Feigheit in einer edeln Brust. Was soll
ich noch mehr sagen? Du kanst dein eignes Leben nicht besser
sicher stellen, als wenn du Glosters Tod rachest.
Gaunt.
Diese Sache ist Gottes Sache; denn Gottes Substitut, sein gesalbter
Statthalter, hat seinen Tod verursacht; geschah es unrechtmasig, so
uberlast Gott die Rache; ich werde niemals einen feindseligen Arm
gegen seinen Diener aufheben.
Herzogin.
Gegen wen, ach! gegen wen mag ich dann, ich Unglukselige, uber
mein Unrecht mich beklagen?
Gaunt.
Gegen den Himmel, den Beschuzer der Wittwe.
Herzogin.
Nun dann, so will ich; lebe wohl, alter Gaunt, lebe wohl. Du gehst
nach Coventry, ein Zuschauer des Kampfs zwischen unserm Bruder
Herford und dem lasterhaften Mowbray zu seyn. O, Himmel, lege
meines Gemals erlidtnes Unrecht auf Herfords Speer, damit er des
mordrischen Mowbrays Brust durchbohre; oder wenn ungluklicher Weise
sein Speer ihn verfehlt, o! so las Mowbrays Verbrechen so schwer
in seinem Busen werden, das es seinem schaumenden Rosse den Naken
breche, und der Reuter, so lang er ist, in die Schranken falle, ein
dem Tod verfluchtes Opfer, wiewol unwurdig von Herfords edler Hand
zu sterben. Lebe wohl, alter Gaunt; die Unglukliche, die einst
deines Bruders Weib war, hat nun keinen andern Gespielen als einen
Jammer, der nur mit ihrem Leben enden kan.
Gaunt.
Schwester, lebet wohl; ich mus nach Coventry.
Herzogin.
Nur noch ein Wort; der Schmerz wird nie fertig; empfiehl mich
meinem Bruder Edmund von York; sieh', das ist alles--Nein, geh'
noch nicht--Ob dis gleich alles ist, so geh' nicht so schnell, es
wird mir noch mehr beyfallen. Sag' ihm--O was? Sag' ihm, er solle
mich, so bald als moglich, zu Plaschie besuchen. Aber, ach, was
wird der gute alte York dort sehen, als leere Gemacher und ode
Wande, unbevolkerte Nebenzimmer und unbetretne Steine? Was fur
einen andern Willkomm wird er horen, als meine Klagen? Sag' ihm
also--Nein, las ihn nicht hinkommen. Was kan sein Mitleiden mir
helfen. Auf allen Seiten trostlos, will ich geh'n und sterben; dis
lezte Lebewohl nimmt mein weinendes Auge von dir!
(Sie gehen ab.)
Vierte Scene.
(Die Schranken zu Coventry.)
(Der Lord Marschall, und der Herzog von Aumerle treten auf.)
Marschall.
Milord Aumerle, ist Harry Herford bewaffnet?
Aumerle.
Ja, vom Fus bis zum Kopf, und wartet ungeduldig hereingelassen zu
werden.
Marschall.
Auch der Herzog von Norfolk wartet voll ungeduldigen Feuers auf die
Trompete des Appellanten.
Aumerle.
Die Kampfer sind also gerustet, und erwarten nur die Ankunft seiner
Majestat.
(Die Trompeten erschallen; und der Konig erscheint mit seinen Edeln;
nachdem sie sich gesezt haben, tritt der Herzog von Norfolk, als
Appellat, in voller Rustung auf.)
Konig Richard.
Marschall, erforsche von jenem Ritter die Ursache, warum er hier in
Waffen erscheint; frag' ihn nach seinem Namen, und lege ihm den
gesezmasigen Eid zu schworen auf.
Marschall.
In Gottes und des Konigs Namen, sage wer bist, und warum erscheinst
du hier in dieser ritterlichen Rustung? Gegen wen kommst du, und
was ist deine Sache? Antworte bey deiner ritterlichen Ehre, und
auf deinen Eid, und so beschuze dich der Himmel und deine
Tapferkeit!
Mowbray.
Mein Nam' ist Thomas Mowbray, Herzog von Norfolk, und ich erscheine
hier bey meinem Wort, das einem Ritter unverlezlich heilig seyn
soll, beydes meine Treue und ritterliche Ehre zu Gott, meinem Konig
und meinen Nachkommen, wider den Herzog von Hereford, meinen
Anklager, zu behaupten, und mit Gottes Gnade und der Starke meines
Arms ihm durch meine Vertheidigung zu beweisen, das er ein
Verrather gegen Gott, meinen Konig und mich ist; und so wie ich fur
eine gerechte Sache fechte, so schuze mich der Himmel! (Die
Trompeten erschallen; Bolingbroke, als ein Appellant, tritt in
vollen Rustung auf.)
Konig Richard.
Marschall, frage jenen bewaffneten Ritter wer er ist, warum er hier
in diesem kriegrischen Aufzug erscheint? Und las ihn, unsern
Gesezen gemas, formlich auf die Gerechtigkeit seiner Sache schworen.
Marschall.
Wie ist dein Nahme, und warum kommst du vor Konig Richards
Gegenwart, in seine konigliche Schranken? Gegen wen kommst du und
was hast du fur eine Sache? Rede, wie ein rechtschaffner Ritter,
und so beschuze dich der Himmel!
Bolingbroke.
Ich bin Heinrich von Hereford, Lancaster und Derby, und stehe hier
in dieser Waffenrustung, durch Gottes Gnade und meine Tapferkeit
gegen Thomas Mowbray Herzog von Norfolk zu beweisen, das er ein
schandlicher und verderblicher Verrather an Gott im Himmel, dem
Konig Richard und an mir ist, und so wie ich fur Recht und Wahrheit
kampfe, beschuze mich der Himmel!
Marschall.
Bey Strafe des Todes erfreche sich niemand, diese Schranken zu
beruhren, als der Marschall, und diejenigen Officiers, welche zu
Anordnung des Kampfs bestellt sind.
Bolingbroke.
Lord Marschall, last mich meines Konigs Hand kussen und meine Knie
vor seiner Majestat beugen; Mowbray und ich sind wie zween Manner,
die eine lange und gefahrliche Pilgrimschaft geloben; es sey uns
also vergonnt einen feyrlichen Abschied von unsern Freunden zu
nehmen.
Marschall.
Der Klager bittet sich die Gnade aus, Euer Majestat seine
Schuldigkeit zu bezeugen, und seinen Abschied zu nehmen.
Konig Richard.
Wir wollen herabsteigen, und ihn in unsre Arme schliessen. Vetter
von Hereford, so wie deine Sache gerecht ist, so sey dein Gluk in
diesem koniglichen Kampfe! Fahre wohl, mein Blut; und wenn dein
Verhangnis ist, es an diesem Tag zu vergiessen, so werden wir
trauren, aber keine Rache an dem Thater nehmen.
Bolingbroke.
O last kein edles Aug' eine Thrane fur mich entweihen, wenn ich
durch Mowbrays Lanze falle! Aber so muthig wie ein Falke auf einen
Vogel schiest, geh' ich mit Mowbray zu fechten. Mein theurer Herr,
ich nehme meinen Abschied von euch, und von euch, mein edler Vetter,
Lord Aumerle--nicht niedergeschlagen, ob ich gleich eine todtliche
Arbeit vor mir habe, sondern munter, jugendlich, und frolich
athmend--O du, der irdische Schopfer meines Wesens,
(zu Gaunt.)
dessen ehmaliger Jugend-Geist in mir wiedergebohren, mich mit
zwiefacher Starke emporhebt, den Sieg zu erreichen, der uber meinem
Haupte schwebt; stahle meine Rustung durch dein Gebet, und scharfe
durch deinen Segen die Spize meiner Lanze, das sie Mowbrays
gewichstes Wamms durchdringen und dem Namen Johann von Gaunt durch
das edle Betragen seines Sohns einen neuen Glanz gebe!
Gaunt.
Der Himmel begunstige dich in deiner gerechten Sache! Sey behend
im Streit wie der Bliz, und las deine Streiche, zweymal verdoppelt,
wie betaubende Donnerschlage auf den Helm deines verderblichen
Gegners herab sturzen. Feure dein jugendliches Blut an, sey tapfer,
und lebe!
Bolingbroke.
So helfen mir meine Unschuld, Gott, und St. George!
Mowbray.
Was fur ein Loos auch der Himmel oder das Gluk fur mich ziehen mag,
so leb' oder sterb' ich hier, getreu an Konig Richards Thron, ein
pflichtmasiger, redlicher und rechtschaffner Edelmann! Nie hat ein
Gefangner mit einem frohern Herzen seine Ketten abgeworfen, und
seine goldne unabhangige Befreyung umfast, als womit meine tanzende
Seele an diesem Kampf mit meinem Feind, wie an einem Freuden-Fest
sich erlustiget. Grosmachtigster Oberherr, und ihr meine edlen
Freunde, empfangt aus meinem Munde den Wunsch gluklicher Jahre! So
freudig und guten Muths wie zu einem Ritterspiel, geh' ich zu
diesem Kampf; Redlichkeit hat ein ruhiges Herz.
Konig Richard.
Fahre wohl, Milord; ich sehe Tugend und Muth ruhig in deinen Augen
ligen. Ordnet den Kampf an, Marschall, und beginnt!
Marschall.
Heinrich von Hereford, Lancaster und Derby, empfange diese Lanze,
und der Himmel schuze dein Recht!
Bolingbroke.
Fest in Hoffnung wie ein Thurm, ruf ich Amen!
Marschall.
Geh, bringe diese Lanze Thomas, Herzogen von Norfolk.
1. Herold.
Heinrich von Hereford, Lancaster und Derbey, steht hier fur Gott,
seinen Lehnsherrn und ihn selbst, bey Straffe falsch und meineidig
erfunden zu werden, zu beweisen, das Thomas Mowbray, Herzog von
Norfolk ein Verrather an seinem Gott, seinem Konig und ihm sey,
muthig steht er hier und fordert ihm zum Kampf auf!
2. Herold.
Hier steht Thomas Mowbray, Herzog von Norfolk, bey Straffe falsch
und meineidig erfunden zu werden, beydes sich selbst zu
vertheidigen, und zu beweisen, das Heinrich von Hereford, Lancaster
und Derbey ein Verrather an Gott, seinem Lehnsherrn, und ihm sey;
und er wartet muthvoll und mit Verlangen auf das Zeichen zum Anfang.
(Man blast zum Angriff.)
Marschall.
Blaset Trompeten, und ihr Kampfer, ruket aus--Doch halt! Der Konig
hat seinen Stab hingeworffen.
Konig Richard.
Last sie ihre Helme und Lanzen bey Seite legen, und beyde zu ihren
Stuhlen zuruk kehren; entfernt euch mit uns, und last die Trompeten
schallen, bevor wir diesen Herzogen unsern Willen kund thun.
(Trompeten.)
Konig Richard (Zu den Kampfern:)
Kommt naher herbey, und horet, was wir mit unserm Rath gethan haben.
Damit die Erde unsers Konigreichs nicht mit diesem kostbaren
Blute besudelt werde, dessen Mutter sie ist, und weil unsre Augen
den graslichen Anblik burgerlicher Wunden hassen, die von
nachbarlichen Schwerdtern gegraben werden, und weil wir denken, das
nichts anders als der Adlerbeschwingte Stolz ehrsuchtiger und
himmelan-strebender Gedanken euch mit eifersuchtigem Has erfullt
und aufgereizt hat, den Frieden, der gleich einem
sanftschlummernden neugebohrnen Kind, in der Wiege unsers
mutterlichen Landes zu schlafen angefangen, wieder aufzuweken. Aus
diesen Ursachen verbannen wir euch, Vetter von Hereford, bey
Straffe des Todes aus unsern Gebieten; bis zehen Sommer unsre
Felder bereichert haben, sollt ihr unsre bluhenden Herrschaften
nicht wieder grussen, sondern die fremden Pfade der Verbannung
betreten.
Bolingbroke.
Euer Wille geschehe! Mein Trost mus seyn, das die nemliche Sonne,
die euch hier erwarmt, mich bescheinen wird, und das eben diese
goldnen Stralen, die sie euch hier leiht, meine Verbannung
vergulden werden.
Konig Richard.
Norfolk, auf dich wartet ein strengeres Urtheil, wiewol ich es
nicht ohne Widerwillen anspreche. Die schnellgeflugelten Stunden
werden deiner Verbannung kein Ziel bestimmen; das hoffnunglose Wort,
nicht wiederzukehren, athme ich gegen dich bey Straffe des Todes.
Mowbray.
Ein hartes Urtheil, mein gebietender Oberherr, und aus Eurer Hoheit
Mund gar zu unerwartet! Ich habe eine bessere Belohnung von Eurer
Hand verdient, als so verstummelt an die freye Luft hingeworfen zu
werden. Die Sprache, die ich nun vierzig Jahre gelernt habe, mein
angebohrnes Englisch, mus ich nun vergessen, und meine Zunge wird
mir kunftig nicht mehr nuzen, als eine unbesaitete Harfe, oder als
ein feines Instrument in der Hand dessen, der es nicht zu spielen
weis. Ihr habt meine Zunge in meinen Mund eingekerkert, und stumme,
gefuhllose, unfruchtbare Unwissenheit ist der Kerkermeister, der
mich bewachen soll. Ich bin zu alt, mich an den Busen einer neuen
Saugamme zu schmiegen, oder wieder ein Lehrknabe zu werden. Was
ist also Euer Urtheil, als die Verdammung zu einem sprachlosen Tod,
der meiner Zunge das Leben nimmt?
Konig Richard.
Vergebens bemuhst du dich unser Mitleiden zu erweken; Nachdem unser
Urtheil ausgesprochen ist, kommen Klagen zu spat.
Mowbray.
So entweich ich dann aus dem Tag meines Vaterlands, um mein Leben
in den traurigen Schatten einer hoffnunglosen Nacht zu enden.
Konig Richard.
Kommt wieder zuruk und nehmt einen Eid mit euch. Legt eure
verbannten Hande auf eure koniglichen Schwerdter, und schweert bey
eurer Pflicht zum Himmel, (den Antheil, den wir daran haben,
verbannen wir mit euch selbst*) das ihr den Eid halten wollet, den
wir euch auferlegen. Nimmer sollt ihr wahrend eurer Verbannung
euch mit einander aussohnen, keiner soll des andern Angesicht sehen,
keiner auf welche Art es sey, einige Gemeinschaft mit dem andern
unterhalten, vielweniger durch verabredete Entwurfe irgend etwas
boses gegen uns, unsern Staat, unsre Unterthanen, und unser Land
anzuspinnen oder auszufuhren suchen; schwort dis, so wahr euch der
Himmel helfe!
{ed.-* Es ist eine Frage, woruber unter den Lehrern des Volker-Rechts
viel gestritten worden, ob ein Verwiesener dem Staat, der ihn
verbannt hat, dem ungeachtet mit der Pflicht der Treue zugethan sey.
Cicero und der Lord Canzler Clarendon bejahen sie; Hobbes und
Puffendorf behaupten das Gegentheil. Unser Autor scheint in dieser
Zeile der leztern Meynung zu seyn. Warburton.}
Bolingbroke.
Ich schwore.
Mowbray.
Und ich; alles dis zu halten.
Bolingbroke.
Norfolk, hatte der Konig es uns zugelassen, so wanderte izt die
Seele von einem unter uns beyden in der Luft, verbannt aus unserm
Leibe, wie izt unser Leib aus diesem Lande verbannt ist. Bekenne
deine Verrathereyen, eh du aus diesem Reiche fliehst; schleppe
nicht auf eine so weite Reise die hemmende Burde einer schuldigen
Seele mit dir.
Mowbray.
Nein, Bolingbroke; wann ich jemals ein Verrather war, so werde mein
Nam' aus dem Buch des Lebens ausgeloscht, und ich vom Himmel wie
von hinnen verbannt! Aber was du bist, das ist dem Himmel, dir und
mir bekannt, und nur allzu bald, besorg' ich, wird es der Konig mit
Reue erfahren. Lebet wohl, mein gebietender Herr; da ich England
den Ruken kehren mus, ist jeder Weg mir gleich.
(Er geht ab.)
Funfte Scene.
Konig Richard (Zu Gaunt.)
Oheim, ich sehe den Gram deines Herzens in den Spiegeln deiner
Augen; dein kummervolles Aussehen hat von der Zahl seiner
verbannten Jahre viere abgerissen; wenn sechs Winter verflossen
sind, Bolingbrok, so kehre, mir willkommen, von deiner Verbannung
heim.
Bolingbroke.
Welch eine lange Zeit ligt in einem einzigen kleinen Wort! Vier
langsame Winter und vier muntre Fruhlinge verliehren sich in einem
Wort, so machtig ist der Athem der Konige.
Gaunt.
Ich danke meinem gebietenden Herrn, das er, in Ansehung meiner,
meines Sohnes Verbannung um vier Jahre abkurzt; aber was wird diese
Mildigkeit mir helfen, da eh die sechs, die er verliehren mus,
verflossen sind, meine vom Alter aufgezehrte Lampe verloschen seyn
kan?
Konig Richard.
Wie, Oheim, du hast noch viele Jahre zu leben.
Gaunt.
Aber keine Minute, Konig, die du geben kanst; du kanst meine Tage
durch Gram abkurzen, du kanst Nachte von meinem Leben abreissen,
aber du kanst mir keinen Morgen leihen; du, du kanst der Zeit
helfen mich fruher alt zu machen, aber keine einzige Falte von
meiner Stirne nehmen; du kanst durch ein Wort meinen Tod gebieten,
aber wenn ich todt bin, ist dein Konigreich zu wenig, mir nur einen
Athemzug zu kauffen.
Konig Richard.
Dein Sohn ist auf Einrathen unsers Staats-Rathes verbannt, und du
selbst hast deine Stimme dazu gegeben; warum rumpfest du izt die
Stirne uber unsre Gerechtigkeit?
Gaunt.
Dinge, die im Munde sus sind, werden in der Verdauung sauer; ihr
dranget in mich, das ich als ein Richter reden sollte; aber ich
wollte lieber ihr hattet mir befohlen als ein Vater zu reden. O!
war' es ein Fremder gewesen, und nicht mein Sohn, ich wurde ein
gelinderes Urtheil ausgesprochen haben. Weh mir! ich besorgte,
man mochte mir eine ubertriebne Nachsicht gegen die meinigen Schuld
geben, und den Vorwurf der Partheylichkeit zu vermeiden, hab' ich
durch meine Stimme mir selbst das Leben abgesprochen.
Konig Richard.
Vetter, lebe wohl; und ihr, Oheim, nehmt euern Abschied von ihm;
wir verbannen ihn auf sechs Jahre, und er soll gehen.
(Geht ab.)
Sechste Scene.
Aumerle.
Vetter, leb wohl! Was wir uns gegenwartig nicht sagen konnen, das
last aus dem Ort eures Aufenthalts, eure Briefe sagen.
Marschall.
Milord, ich beurlaube mich nicht von euch; denn ich will an eurer
Seite reiten, so weit mich das Land tragen wird.
Gaunt.
Warum bist du so sparsam mit deinen Worten, das du die verbindliche
Reden deiner Freunde nicht beantwortest?
Bolingbroke.
Ich habe ihrer zu wenige, zum Abschied nehmen, da meine Zunge
verschwendrisch seyn sollte, den uberstromenden Schmerz meines
Herzens auszuathmen.
Gaunt.
Du hast keinen andern Schmerz als deine Abwesenheit; was sind sechs
Winter? sie sind schnell voruber.
Bolingbroke.
Fur die Gluklichen; der Kummer macht aus einer Stunde zehen.
Gaunt.
Nenn es eine Reise, die du fur dein Vergnugen machst.
Bolingbroke.
Mein seufzendes Herz wurde mich lugen heissen, wenn ich eine
Lustreise nennen wollte, was ihm eine gezwungne Pilgrimschaft ist.
Gaunt.
Alle Orter die des Himmels Auge besucht, sind fur den weisen Mann
sichre Porte, und Himmel voll Wonne. Lehre die Nothwendigkeit so
denken, es ist keine Tugend uber die Nothwendigkeit. Denke nicht,
der Konig habe dich verbannt, sondern du den Konig. Ein Ungemach
drukt uns nur heftig, wenn wir es unmannlich tragen. Geh, sage,
ich habe dich weggeschikt, Ruhm zu erwerben; nicht, der Konig habe
dich verbannt. Oder bilde dir ein, es hange fressende Pestilenz in
unsrer Luft, und du fliehest unter einen reinen Himmel. Sieh,
alles was deiner Seele theuer ist, davon bilde dir ein, es lig' in
dem Weg den du gehst, nicht in dem, so du verlassest; bilde dir ein,
die Vogel seyen Musicanten; das Gras worauf du trittst, der
Fusboden eines grossen Saals; die Blumen, schone Damen; und deine
Schritte, ein frolicher Tanz. Der Kummer beist nur schwach, sobald
man einen Scherz daraus macht.
Bolingbroke.
O, wer kan Feuer in seiner Hand tragen, und an den befrornen
Caucasus denken? Wer kan den nagenden Hunger durch die blosse
Erinnrung an ein Gastmahl stillen; oder, wenn er nakend im December-
Schnee gienge, sich durch die Vorstellung eines phantastischen
Sommers erwarmen? O nein, die Vorstellungen des Guten scharfen nur
das schmerzhafte Gefuhl des Bosen, und der Zahn des giftigen
Kummers--
Gaunt.
Komm, komm, mein Sohn, ich will dich ein Stuk Weges begleiten;
hatt' ich deine Jugend und deine Sache, ich wollte keinen Augenblik
zogern.
Bolingbroke.
So gehabe dich dann wohl, Englandischer Boden! Gehabe dich wohl,
mein mutterliches Land, meine Saugerin, die noch diese kurzen
Augenblike mich tragt. Wohin ich auch wandre, kan ich doch,
obgleich verbannt, mich ruhmen, das ich ein echter Englander bin.
(Sie gehen ab.)
Siebende Scene.
(Der Hof.)
(Konig Richard, Bagott, Green, u.s.w. treten zu einer, und
Lord Aumerle zu der andern Thur herein.)
Konig Richard (zu Bagott.)
In der That, wir bemerkten es auch--Vetter Aumerle, wie weit habt
ihr den hohen Hereford begleitet?
Aumerle.
Ich begleitete den hohen Hereford, wenn ihr ihn so nennen wollt,
nicht weiter als bis an die nachste Landstrasse, und dort verlies
ich ihn.
Konig Richard.
Und saget, sind viele Thranen beym Abschied vergossen worden?
Aumerle.
Meiner Treue, von mir keine, ausser das der Nord-Ostwind, der uns
sehr scharf ins Gesicht blies, mir ein wenig Wasser aus den Augen
preste, und dadurch von ungefehr unsern kalten Abschied mit einer
Thrane zierte.
Konig Richard.
Was sagte euer Vetter, wie ihr Abschied nahmt?
Aumerle.
Leb wohl!--und weil sich mein Herz nicht uberwinden konnte, meine
Zunge dieses Wort so entheiligen zu lassen, so stellte ich mich,
als ob ich so betrubt sey, das ich vor Schmerz nicht reden konne.
Auf meine Ehre, wenn das Wort Lebwohl die Stunden hatte verlangern
und Jahre zu seiner Verbannungs-Zeit hinzu thun konnen, er sollte
eine ganze Last Lebewohl bekommen haben; aber weil das nicht war,
so kriegte er keines von mir.
Konig Richard.
Er ist unser Anverwandter, Vetter, aber es ist zweifelhaft, ob er,
wenn ihn die Zeit aus seiner Verbannung einst zuruk beruft, als
unser Freund wieder kommen wird. Wir selbst, und Bagot hier, und
Buschy, und Green, haben beobachtet, wie er dem gemeinen Volke den
Hof machte; wie er mit demuthiger und vertraulicher Hoflichkeit
sich in ihren Herzen unterzutauchen schien; was fur Reverenze er
auf der Strasse vor Sclaven hinwarf; wie er das Mitleiden der
armsten Handwerksleute durch die Zauberey seines Lachelns und die
scheinbare Geduld, womit er sich seinem Ungluk unterzog, zu
erschleichen suchte. Als ob er verlangte, das sie ihre Liebe und
ihre Wunsche mit ihm verbannen sollten. Er zog seinen Hut vor
einem Austern-Mensch ab, und ein paar Karrenzieher, die ihm
zurieffen: Gott geleit ihn! empfiengen den Tribut seiner biegsamen
Knie mit--grossen Dank, meine Landsleute, meine lieben Freunde;
gleich als ware England sein kunftiges Erbtheil, und er die nachste
Hoffnung unsrer Unterthanen.
Green.
Gut, er ist nun fort, und diese Gedanken mogen mit ihm gehen; eine
wichtigere Sorge ist izt, Gnadigster Herr, wie den Aufruhrern in
Irland zu begegnen sey, eh ein langerer Aufschub ihnen mehr Mittel
zu ihrem Vortheil und Eurer Majestat Schaden darbietet.
Konig Richard.
Wir wollen diesem Krieg in Person beywohnen; und weil unsre Kisten
durch den Aufwand eines zu grossen Hofes, und durch unsparsame
Freygebigkeit in etwas leicht worden sind, so sehen wir uns
genothiget, unsre Cron-Einkunfte zu verpachten; die Summen die uns
dadurch eingehen, werden fur die gegenwartigen Angelegenheiten
zureichen; und wenn sie auch ausgehen, so wollen wir unsern
Substituten in England Vollmachten geben, alle reichen Leute, die
ihnen bekannt werden, nach Proportion um betrachtliche Summen Gelds
zu taxieren, und uns selbige nachzuschiken; denn wir wollen uns
ungesaumt nach Irland erheben. (Buschy zu den Vorigen.)
Konig Richard.
Buschy, was giebt's?
Buschy.
Der alte Johann von Gaunt ist krank, Gnadigster Herr, hat einen
plotzlichen Anstos bekommen, und sendet einen Boten in groster Eil
hieher, Euer Majestat zu bitten, ihn mit einem Besuch zu begnadigen.
Konig Richard.
Wo ligt er?
Buschy.
Zu Ely-House.
Konig Richard.
Nun gieb doch, gutiger Himmel, seinen Arzten in den Sinn, ihm
ungesaumt in sein Grab zu helfen; das Futter von seinen Kisten
schikt sich vortreflich, unsern Soldaten fur diesen Irlandischen
Krieg Roke daraus zu machen. Kommt, meine Herren, wir wollen ihn
besuchen; Gott gebe, das wir eilen und zu spate kommen!
(Sie gehen ab.)
Zweyter Aufzug.
Erste Scene.
(Ely-House.)
(Gaunt, der krank herein getragen wird; mit dem Herzog von York.)
Gaunt.
Will der Konig kommen, das ich meinen lezten Athem in heilsamem
Rath fur seine noch verbesserliche Jugend aushauchen kan?
York.
Plaget euch selbst nicht, und verschwendet nicht so die wenige
Krafte, die ihr noch ubrig habt; sein Ohr ist vor allem guten Rath
verschlossen.
Gaunt.
Aber man sagt doch, das die Zungen sterbender Menschen, gleich der
zauberischen Harmonie zur Aufmerksamkeit nothigen; sparsame Worte
werden selten vergebens aufgewandt, denn diejenigen sagen die
Wahrheit, die ihre Worte mit Schmerzen athmen mussen. Einer, der
bald aufhoren wird zu reden, wird eher gehort, als diejenigen,
denen Jugend und Wohlaufseyn erlauben, sich in Worte zu ergiessen.
Man giebt mehr auf der Menschen Ende acht, als auf ihr Leben; wie
die Sonne nie mit mehr Vergnugen beschaut wird, als wenn sie
untergeht, und an einer Musik nichts aufmerksamer macht als der
Schlus. Ob Richard gleich die Rathe nicht horen wollte, die ich
ihm in meinem Leben gab, so mag vielleicht der ernste Ton des Todes
sein taubes Ohr durchdringen.
York.
Sein Ohr wird noch von andern Zaubertonen verstopft, als von dem
schmeichelnden Lobe seiner Regierung; uberdas giebt es
ausschweiffende Gesellschafter, deren vergiftete Reden das
ungewahrsame Ohr der Jugend immer offen finden; Erzahlungen von
Moden in dem stolzen Italien, dessen Sitten unsre blode,
affenmasige Nation, bestandig auf eine plumpe Art nachahmet. Wo
treibt die Welt irgend eine Eitelkeit hervor, (wenn sie nur neu ist,
sie mag so nichtswurdig seyn als sie will,) die nicht
augenbliklich in seine Ohren gesumset wird? Wo der Wille, vom Wiz
unterstuzt, sich wider die Vernunft emport, da kommt guter Rath
allezeit zu spat; versuch' es nicht, denjenigen leiten zu wollen,
der sein eigner Wegweiser seyn will; du wurdest deinen Athem
verliehren, und das ist gerade was dir mangelt.
Gaunt.
Mich daucht, ich bin ein neubegeisterter Prophet, und sterbend
weissage ich so von ihm. Seine rasche, ausgelassene, unbezahmte
Jugendhize, kan nicht von langer Dauer seyn; ein heftiges Feuer
brennt sich bald selbst aus. Sanfte Regen dauren lange, plozliche
Sturme gehen bald voruber; der wird bald mude, der anfangs die
Sporren zu stark gebraucht; und wer allzugierig ist, hat am
baldesten genug. Leichtsinnige Eitelkeit, nachdem sie wie ein
unersattlicher Vielfras alle ihre Mittel verzehrt hat, wird bald
gezwungen, sich selbst aufzuzehren. Dieser glorreiche Konigs-Thron,
diese bezepterte Insel, dieses majestatische Land, dieser Siz des
Kriegs-Gottes, dieses andre Eden, dieses feste Castell, das die
Natur fur sich selbst aufgeworfen hat, um sich vor fremder
Anstekung und feindseligem Anfall zu sichern, dieser edle Stamm von
Menschen, dieser in die Silber-See eingefaste Edelstein, dieser
kleine Inbegriff der Welt, dem der umgebende Ocean fur eine Mauer,
oder fur einen beschuzenden Graben gegen den Neid nicht so
glukseliger Lander dient; diese Mutter und Sangerin koniglicher
Helden, welche ihr Vaterland furchtbar, ihre Geburt erlaucht, und
ihre Thaten ruhmwurdig machen, wegen ihres christlichen Eifers und
ihrer ritterlichen Tapferkeit so weit beruhmt, als das Grab des
Welt-Erlosers, in dem verstokten Judenlande von uns entfernt ist;
dieses edle, wurdige, theure Land, von dem glanzenden Ruhm seiner
Sohne uber alle andre emporgehoben, ist nun ausgemiethet, (ich
sterbe, da ich es ausspreche) wie ein Pachthof oder Baurengut
ausgepachtet! England, von der triumphierenden See umwunden, deren
felsichtes Ufer den neidischen Siz des wasrichten Neptuns
zurukschlagt, ist auf eine schandliche Art in Fesseln von Pergament
geworfen, und die Besiegerin andrer Volker hat eine schaamvolle
Eroberung von sich selbst gemacht.* O! mochte diese Schmach mit
meinem Leben sich enden, wie gluklich ware mein Tod!
{ed.-* Was fur eine Rede in dem Mund eines alten sterbenden Prinzen,
der sich uber Engbrustigkeit und kurzen Athem beklagt! Indessen
war dieses schulerhafte rhetorische Gewasche, diese auf einander
gehauften, ubel zusammenpassenden Metaphern, und diese abmattenden
Tautologien, die allgemeine Mode in unsere Autors Zeit.}
Zweyte Scene.
(Konig Richard, die Konigin, Aumerle, Buschy, Green, Bagot, Ros
und Willoughby zu den Vorigen.)
York.
Der Konig ist gekommen; gehet sanft mit seiner Jugend zu Werke;
junge feurige Fullen, wenn sie aufgebracht werden, rasen nur desto
mehr.
Konigin.
Wie steht es um unsern edeln Oheim Lancaster?
Konig Richard.
Wie steht's Mann? Was macht der alte Gaunt?
Gaunt.
O dieser Name schikt sich fur meinen Zustand!* Ja wohl der alte
Gaunt, und nichts als Haut und Knochen (Gaunt) vor Alter! Der
Kummer in mir, hat eine verdriesliche Fasten gehalten, und wer wird
nicht mager, der sich des Fleisches enthalten mus? Lange hab' ich
fur das schlafende England gewacht, und Wachen zehrt ab und macht
mager. Das Vergnugen wovon einige Vater sich nahren, der Anblik
meiner Kinder ist mir ganzlich untersagt; und die Fasten, die du
mir hierinn auferlegt hast, hat mich ganz mager gemacht, mager fur
das Grab, mager wie ein Grab, dessen holer Leib nichts als Knochen
enthalt.
{ed.-* Alle diese Wortspiele, die in dem Mund eines Tertianers
kindisch waren, und in dem Mund eines Sterbenden unertraglich sind,
grunden sich auf die Bedeutung des Namens Gaunt, der im Englischen
so viel heist als mager, abgezehrt, der nur noch Haut und Knochen
hat.}
Konig Richard.
Konnen kranke Leute so spizfundig mit Worten spielen?
Gaunt.
Nein, aber Elend hat keine andre Kurzweile, als uber sich selbst zu
spotten. [Weil du meinen Namen in mir zu todten suchst, so spotte
ich meines Namens, Grosser Konig, um dir zu schmeicheln.**
{ed.-** Die Zeilen, die hier und in der Folge in [ ] eingeschlossen
sind, sind im Original in Reimen.}
Konig Richard.
Sollen sterbende Leute den lebenden schmeicheln?
Gaunt.
Nein, nein, die lebenden Leute schmeicheln den Sterbenden.
Konig Richard.
Du, ein Sterbender, sagst ja, du schmeichelst mir.
Gaunt.
O nein, du stirbst, ob ich gleich kranker bin.
Konig Richard.
Ich bin gesund, ich athme, und sehe das du ubel bist.
Gaunt.
O! der, der mich erschuf, weis es, das ich Dich ubel sehe.] Mir
ist fur mich selbst ubel, aber gar zu ubel, indem ich dich ansehe.
Dein Todbette ist nichts geringers als dein Land, worinn du an
deinem Ruhm krank ligst; und du, allzunachlasiger Patient,
ubergiebst deine gesalbte Person den nemlichen Arzten zu heilen,
die dich krank gemacht haben. Tausend Schmeichler sizen um den
Cirkel deiner Crone herum, und ob dieser Cirkel gleich nicht
grosser ist als dein Haupt, so verliehrst du doch mit ihm dein
ganzes Land, welches er umspannt. O hatte dein Grosvater mit dem
Aug' eines Propheten vorhersehen konnen, das seines Sohns Sohn
seine Sohne zu Grund richten wurde, er wurde dir's unmoglich
gemacht haben, dich selbst so zu entehren, indem er dich vor deiner
Einsezung entsezt hatte, dich, der izt eingesezt ist, um sich
selbst zu entsezen. Wie? Vetter! warest du Herr der ganzen Welt,
so war' es dir doch schimpflich dein Land zu verpachten; aber da
deine ganze Welt in diesem einzigen Lande besteht, ist es nicht
mehr als Schande, es so zu entehren? Landsas von England bist du,
nicht Konig. Deine gesezmasige Oberherrlichkeit ist eine Leibeigne
des Gesezes, und du--
Konig Richard.
Und du, ein mondsuchtiger aberwiziger Narr, der auf das Privilegium
eines Fiebers hin, sich erfrecht, mit deinen kalten Erinnerungen
unsre Wange blas zu machen, und das konigliche Blut mit Ungestum
von seinem naturlichen Siz zu treiben. Nun, bey der Majestat
meines angestammten Throns, warst du nicht ein Bruder von dem Sohne
des grossen Eduard, die Zunge, die so frey in deinem Kopf herum
rennt, sollte deinen Kopf von deinen unehrwurdigen Schultern
herunter rennen.
Gaunt.
O schone meiner nicht, meines Bruder Edward's Sohn, weil ich seines
Vater Edwards Sohn war. Das Blut das ich von ihm habe, hast du
langst wie ein Pelican, ausgezapft, und in trunknem Muth
verschmaust. Mein Bruder Glocester, eine aufrichtige, wohlgesinnte
Seele, (gluklich moge sie unter des Himmels seligen Geistern seyn!)
hat schon zum Beyspiel dienen mussen, wie wenig du Bedenken tragst,
Edwards Blut zu vergiessen. Vereinige dich immerhin mit meiner
Krankheit, und brich durch deine Hartherzigkeit eine vorhin schon
welke Blume ab! Leb' in deiner Schande, aber deine Schande sterbe
nicht mit dir! Und mogen diese meine lezten Worte kunftig deine
Peiniger seyn! Tragt mich in mein Bette, und dann in mein Grab.
Die mogen leben, die Liebe und Ehre haben!
(Er wird hinweg getragen.)
Konig Richard.
Und last die sterben, die Alter und Launen haben; du hast beydes,
und beydes gehort in ein Grab.
York.
Ich bitte euer Majestat, seine Reden der verdrieslichmachenden
Krankheit und dem hohen Alter zu gut zu halten; er liebt euch, bey
meinem Leben, so sehr als Heinrich von Hereford, wenn er hier ware.
Konig Richard.
Recht, ihr sagt die Wahrheit, wie Herefords Liebe, so ist seine,
und wie die ihrige so ist meine; und alles mag seyn wie es ist.
Dritte Scene.
(Northumberland zu den Vorigen.)
Northumberland.
Gnadigster Herr, der alte Gaunt empfiehlt sich Eurer Majestat.
Konig Richard.
Was sagt der alte Gaunt?
Northumberland.
Nichts mehr; er hat alles gesagt, was er zu sagen hatte; seine
Zunge ist nun ein Instrument ohne Saiten; Sprache, Leben und alles
hat den alten Lancaster verlassen.
York.
Moge York der nachste seyn, den dieses Schiksal trift. So arm der
Tod ist, so endet er doch alles sterbliche Weh.
Konig Richard.
Die reiffeste Frucht fallt zuerst; seine Zeit ist abgelauffen, und
die unsrige lauft noch; so viel hievon!--Nun mussen wir unsre
Aufmerksamkeit auf die Irlandischen Unruhen richten; wir mussen
diese rohen zottelkopfichten Kernen* unterdruken, eh die anstekende
Emporung weiter um sich frist; und da diese grossen Geschafte einen
ziemlichen Aufwand erfordern, so bemachtigen wir uns hiemit, zu
unsrer Unterstuzung alles baaren Gelds, Gold- und Silbergeschirrs,
aller Einkunfte, und aller beweglichen und unbeweglichen Guter, die
der alte Gaunt verlassen hat.
{ed.-* Nahme einer Art von leichtbewaffnetem Irlandischem Fusvolk.}
York.
Wie lange werd' ich noch Geduld behalten? O wie lange wird noch
eine, vielleicht zu schuchterne Empfindung meiner Pflicht, mich
jede Ungerechtigkeit geduldig leiden machen? Nicht Glosters Tod,
noch Herefords Verbannung, nicht Gaunts erlidtne Krankungen, noch
Englands einheimische Wunden, noch meine eigne Verachtung, haben
mich jemals meine geduldige Stirne gegen meinen Konig rumpfen
gemacht. Ich bin der lezte von des grossen Edwards Sohnen, von
denen der Prinz von Wales, dein Vater der erste war. Im Krieg war
kein Lowe kuhner, im Frieden kein Lamm sanftmuthiger, als dieser
edle junge Prinz. Du hast seine Gesichtsbildung, so sah er aus;
aber wenn er die Stirne runzelte, so war es gegen die Franzosen,
nicht gegen seine Freunde: Seine edle Hand gewann erst das was sie
ausgab, und verthat nicht, was sein siegreicher Vater gewonnen
hatte. Seine Hand wurde oft mit dem Blut der Feinde seines Hauses,
niemals mit dem Blut der Seinigen besudelt. O Richard! York mus
noch mehr sagen, oder er hat schon zu viel gesagt.
Konig Richard.
Wie, mein Oheim, was wollt ihr dann sagen?
York.
O mein Gnadigster Herr, vergebet mir, wenn es euch gefallt; wo
nicht, so las ich mir auch gefallen, das ihr mir nicht vergebt.
Ihr sucht euch der Landereyen, Guter und Rechte des verbannten
Hereford zu bemachtigen? Wenn Gaunt todt ist, lebt nicht Hereford?
War Gaunt nicht redlich, und ist Heinrich nicht getreu? Verdiente
jener nicht, einen Erben zu haben? Ist nicht sein Erbe ein
verdienstvoller Sohn? Kanst du Herefords Rechte, kanst du seine
Titel, Urkunden und wohlhergebrachte Gerechtsame aufheben, und
gewis seyn, ob du morgen noch seyn wirst, was du bist? Denn woher
bist du ein Konig, als durch das Recht der Erbfolge? Wenn ihr
gewaltthatiger Weise die Erbschaft Herefords an euch reissen, die
Vollmacht seines General-Procurators, in seinem Namen davon Besiz
zu nehmen, vernichten, und ihm die angebotne Huldigung versagen
wollt; so hauft ihr tausend Gefahren uber euer Haupt, verliehrt
tausend wohlgesinnte Herzen, und reizet selbst meine sanftmuthige
Geduld zu Gedanken, welche Pflicht und Ehre nicht denken konnen.
Konig Richard.
Denkt was ihr wollt; wir nehmen alle seine Guter, Mobilien,
Baarschaften und Landereyen, zu unsern Handen.
York.
Wenigstens will ich kein Augenzeuge davon seyn; lebet wohl, mein
gebietender Herr; was hieraus entstehen wird, kan niemand sagen.
Aber aus schlimmen Handlungen last sich ohne Muhe weissagen, das
ihre Folgen nicht gut seyn konnen.
(Er geht ab.)
Konig Richard.
Geh, Buschy, ungesaumt zu dem Grafen von Wiltschire, und ersuch ihn
zu uns nach Ely-House zu kommen, und der Vollziehung dieses
Geschaftes vorzustehen. Morgen wollen wir nach Irland, es ist Zeit.
Indessen ernennen wir, wahrend unsrer Abwesenheit, unsern Oheim
York zum Lord-Statthalter von England, denn er ist rechtschaffen,
und war uns jederzeit zugethan. Kommet, meine Konigin; morgen
mussen wir uns scheiden; beruhigt euch, wir werden nicht lange
abwesend seyn.
(Konig Richard, Konigin und Gefolge gehen ab.)
Vierte Scene.
(Northumberland, Willoughby und Ros bleiben.)
Northumberland.
Nun, Milords, der Herzog von Lancaster ist todt.
Ross.
Und lebt wieder in seinem Sohn, der nun Herzog von Lancaster ist.
Willoughby.
Dem Namen, nicht den Einkunften nach.
Northumberland.
Beyden nach, wenn Gerechtigkeit ihr Recht erhalt.
Ross.
Mein Herz ist voll; aber es mus von Schweigen brechen, eh ihm eine
freymuthige Zunge leichter machen kan.
Northumberland.
Bezieht sich das, was ihr reden mochtet, auf den Herzog von
Hereford, so sagt es kuhnlich heraus, Mann; mein Ohr horcht mit
Freuden allem Guten entgegen, was von ihm gesagt wird.
Ross.
Alles Gute, was ich fur ihn thun kan, ist, Mitleiden mit ihm zu
haben, das er seines Erbguts so beraubt worden ist.
Northumberland.
Nun, beym Himmel, Schande ist es, das solche Krankungen, solche
Ungerechtigkeiten gegen ihn, einen koniglichen Prinzen, und manche
andre von edlem Blut, in diesem dem Umsturz nahernden Lande
niedertrachtig ertragen werden sollen! Der Konig ist nicht er
selbst, unkoniglich last er von Schmeichlern sich leiten; und was
sie aus Raubsucht oder aus Has gegen irgend einen aus uns anzetteln
mochten, das wird der Konig nach der Scharfe gegen uns, unser Leben,
unsre Kinder und Erben ausfuhren.
Ross.
Die Gemeinen hat er durch ubermasige Auflagen ausgesogen, und
dadurch ihre Herzen verlohren; die Edeln hat er wegen abgestorbner
Handel gebust, und ihre Herzen verlohren.
Willoughby.
Nichts destoweniger werden unter allerley Namen taglich neue
Erpressungen ausgesonnen; aber, was um Gottes willen! soll endlich
daraus werden?
Northumberland.
Kriege haben alle diese Summen nicht verzehrt; denn er hatte nie
keinen Krieg, sondern gab vielmehr durch einen schimpflichen
Verglich hin, was seine Voraltern durch Siege gewonnen hatten; er
hat mehr Aufwand im Frieden gemacht, als sie in allen ihren Kriegen.
Ross.
Der Graf von Wiltschire hat das Konigreich im Pacht.
Willoughby.
Der Konig ist Bankrutt worden.
Ross.
Und ungeachtet aller seiner schweren Auflagen, mus er den
vertriebnen Herzog berauben, um Geld fur diese Irlandischen Unruhen
zu haben.
Northumberland.
Seinen edeln Blutsverwandten!--Hochst ausgearteter Konig! Aber,
Milords, wir horen dieses furchterliche Gewitter singen, und suchen
doch keinen Schirm gegen den Sturm; wir sehen den Wind unsern
Segeln zusezen, und doch ziehen wir sie nicht ein, sondern gehen
unbesorgt unter.
Ross.
Wir sehen den Schiffbruch vorher, und es ist noch keine Anstalt
gegen die Gefahr gemacht, weil wir so geduldig die Ursachen unsers
Schiffbruchs leiden.
Northumberland.
Nicht so; selbst durch die hohlen Augen des Todes, sehe ich Leben
hervorschauen; aber ich darf es nicht sagen, wie nah' uns unsre
Hulfe ist.
Willoughby.
Wir haben unsre Gedanken nicht vor dir verborgen; las uns auch die
deinigen theilen.
Ross.
Rede zuversichtlich, Northumberland; wir drey sind nur du selbst,
und wenn du mit uns sprichst, sind deine Worte nur wie Gedanken;
also rede kuhnlich!
Northumberland.
So horet dann, meine Freunde, was fur geheime Nachrichten ich von
(Port le blanc), einem Hafen in Bretagne, habe. Heinrich von
Hereford, Rainald, Lord Cobham, der unlangst mit dem Herzog von
Exeter gebrochen hat; sein Bruder, der neue Erzbischoff von
Canterbury, Sir Thomas Erpingham, Sir John Ramston, Sir John
Norbrew--, Sir Robert Waterton, und Franz Coines; alle diese,
von dem Herzog von Bretagne mit allen Nothwendigkeiten versehen,
sind wurklich im Begriff, mit acht langen Schiffen und dreytausend
streitbaren Mannern, eine Landung an unsern Nordischen Kusten zu
wagen; vielleicht haben sie schon gelandet, und warten nur bis der
Konig nach Irland abgegangen ist. Wann wir nun entschlossen sind,
unser sclavisches Joch abzuschutteln, die gebrochnen Schwingen
unsers sinkenden Vaterlandes wieder neu zu befiedern, die entehrte
Crone von einem schimpflichen Versaz wieder einzulosen; den Staub
abzuwischen, der unsers Scepters reines Gold verbirgt, und der
Majestat ihre eigne Gestalt wieder zu geben: So folget mir
schleunig nach Ravenspurg. Zaudert ihr aber, oder furchtet ihr
euch, so zu thun, so bleibet zuruk, und seyd verschwiegen; so will
ich allein gehen.
Ross.
Zu Pferd, zu Pferd! Last die zaudern die sich furchten.
Willoughby.
Wenn anders mein Pferd aushalt, so will ich der erste dort seyn.
(Sie gehen ab.)
Funfte Scene.
(Der Hof.)
(Die Konigin, Buschy und Bagot treten auf.)
Buschy.
Gnadigste Frau, Eure Majestat ist viel zu niedergeschlagen. Ihr
versprachst dem Konig beym Abschied, alle sich selbstharmende
Gedanken zu entfernen, und eine frohe Gemuthsfassung zu unterhalten.
Konigin.
Dem Konige zu gefallen, that ich's; mir selbst zu gefallen kan
ich's nicht thun; und doch weis ich keine Ursache, warum ich einen
solchen Gast, wie der Kummer ist, willkommen heissen sollte, als
diese, weil ich einem so werthen Gast, wie mein Richard ist, leb'
wohl sagen muste; und doch ist mir, als ob irgend ein noch
ungebohrner Kummer, im Schoos des Schiksals reiffend, mir
bevorstehe; meine innerste Seele zittert uber etwas, ohne zu wissen
was es ist; ausgenommen, das es nicht die Trennung von dem Konig
meinem Gemal ist.
Buschy.
Ein jeder wurklicher Schmerz hat zwanzig Schatten die ihm gleich
sehen, und es doch nicht sind; durch den Crystall blendender
Thranen, sieht das Auge der Traurigkeit einen einzigen Gegenstand
in viele gespalten. Gleich gewissen perspectivischen Figuren, die,
wenn man sie geradezu anschaut, nichts als verworrene Striche
zeigen, aber aus einem gewissen schiefen Sehpunct eine regelmasige
Gestalt darstellen, zeigen sich euch, indem ihr euers Gemals
Abwesenheit seitwarts anseht, Gestalten von Kummer, welche, wenn
sie angesehen werden, wie sie sind, nichts als blosse Schatten von
dem was nicht ist, sind. Trauret also uber nichts mehr als die
Abreise euers Gemals; mehr ist nicht sichtbar, oder ist es doch nur
aus dem falschen Gesichtspunct der Traurigkeit, die oft uber
eingebildete Ubel, wie uber wahre, weint.
Konigin.
Es mag so seyn; und doch sagt meine innerste Seele mir etwas anders;
dem sey wie ihm wolle, ich kann mich nicht erwehren traurig zu
seyn, auf eine so bange Art traurig, das wenn die Uberlegung mir
gleich sagt, es sey nichts, dieses angstigende Nichts mich doch
nichts desto minder schmachten und welken macht.
Buschy.
Es ist blosse Einbildung, meine gnadigste Konigin.
Konigin.
Nichts weniger als Einbildung; Einbildung entspringt allemal aus
irgend einem vorhergegangenen Schmerz; so ist der meinige nicht.
Denn Nichts hat das Etwas gebohren das mich angstiget; aber was es
ist, das ist noch unbekannt.*
{ed.-* Im Original ist dieses viel spizfundiger gesagt:
(For nothing hath begot my something-grief,
Or something hath, the nothing that I grieve.
But what it is, that is not yet Known, what
I cannot name, 'tis nameless Woe, I wot.)}
Sechste Scene.
(Green zu den Vorigen.)
Green.
Der Himmel erhalte Euer Majestat!--Ich erfreue mich, euch zu sehen,
meine Herren--Ich hoffe, der Konig hat sich noch nicht nach Irland
eingeschift.
Konigin.
Warum hoffst du das; es ist mehr Ursache zu hoffen, das er's gethan
habe; denn seine Absichten erfordern Behendigkeit, und seine
Behendigkeit giebt gute Hoffnung; warum sagst du also, du hoffest
er sey noch nicht zu Schiffe?
Green.
Damit Er, auf welchem alle unsre Hoffnung beruht, seine Macht zuruk
behalten hatte, um die Hoffnung eines Feindes zur Verzweiflung zu
bringen, der trozig seinen Fus in dieses Land gesezt hat. Der
verbannte Bolingbroke hat sich selbst zuruk beruffen, und ist mit
emporgestrekten Waffen gluklich zu Ravenspurg angelangt.
Konigin.
Das verhute der Himmel!
Green.
O Gnadigste Frau, es ist nur allzuwahr; und was noch schlimmer ist,
der Lord Northumberland, der junge Percy, sein Sohn, die Lords von
Ros, Beaumond und Willoughby mit allen ihren machtigen Freunden
sind zu ihm ubergegangen.
Buschy.
Wie? Habt ihr denn den Northumberland und alle von dieser
rebellischen Rotte nicht fur Verrather erklart?
Green.
Das haben wir, und darauf hat der Graf von Worcester seinen Stab
zerbrochen, seine Oberhofmeister-Stelle niedergelegt, und sich mit
allen koniglichen Haus-Bedienten zum Bolingbroke gefluchtet.
Konigin.
O Green, du bist die Wehmutter meines Kummers. Nun hat meine Seele
ihr Ungeheuer zur Welt gebracht. Bolingbroke ist die unglukliche
Geburt meines ahnenden Weh's, und ich eine keuchende neu-entbundne
Mutter, sinke aus einer Angst, einem Schmerz, in den andern.
Buschy.
Lasset den Muth noch nicht sinken, Gnadigste Frau.
Konigin.
Und warum soll ich nicht? Ich will verzweifeln, ich will mit der
betrugerischen Hoffnung in Feindschaft stehen; sie ist eine
Schmeichlerin, die den Tod nur zuruk halt, um durch ihre
tauschenden Eingebungen das Gefuhl seiner Streiche zu ubertauben.
Siebende Scene.
(York zu den Vorigen.)
Green.
Hier kommt der Herzog von York.
Konigin.
Mit Zeichen des Kriegs um seinen bejahrten Naken. O, seine Blike
sind von sorgenvollen Geschaften verdustert! Guter Oheim, um des
Himmels willen, eine trostliche Zeitung!
York.
So muste ich meine Gedanken belugen; der Trost ist im Himmel, und
wir sind auf einer Welt, wo nichts als Kreuz, Sorge und Kummer lebt.
Euer Gemal ist gegangen, um in der Ferne zu retten, was ihm andre
indes daheim entreissen. Ich ward hier zuruk gelassen, um dieses
Land zu unterstuzen; ich, der vom Alter gedrukt, kaum mich selbst
tragen kan. Nun kommen die kranken Tage, die seine
Ausschweiffungen nach sich gezogen haben; nun wird er seine Freunde,
die ihm schmeichelten, kennen lernen. (Ein Bedienter kommt herein.)
Bedienter.
Milord, euer Sohn war schon abgereist, wie ich ankam.
York.
Schon abgereist; Nun, so geh alles, welchen Weg es will. Die Edeln
sind ubergegangen, die Gemeinen kalt, und wanken schon wie ich
besorge, auf Herefords Seite--Geh du nach Plaschie, zu meiner
Schwester von Glocester; bitte sie, das sie mir unverzuglich
tausend Pfund schike; halt, hier ist mein Ring.
Bedienter.
Milord, ich habe vergessen zu sagen, das an dem nemlichen Tag da
ich hinkam, und anfragte--Aber ich werde euch betruben, wenn ich es
sage.
York.
Was ist es dann?
Bedienter.
Eine Stunde eh ich kam, starb die Herzogin.
York.
Gerechter Himmel! Was fur eine Fluth von Plagen sturzt sich auf
einmal uber dieses unglukselige Land! Ich weis nicht, was ich thun
soll; wollte Gott! der Konig hatte (ohne das eine Untreue von mir
ihn dazu aufgefordert hatte) meinen Kopf mit meines Bruders
Gloster's seinem abschlagen lassen. Wie, sind schon Jacht-Schiffe
nach Irland abgegangen? Wo sollen wir Geld zu diesem Krieg
hernehmen? Kommt, Schwester; (Base, wollt' ich sagen,) ich bitte
euch um Vergebung.--
(Zum Bedienten.)
Geh' du heim, Bursche, bestelle einige Wagen, und belade sie mit
den Waffen, die du finden wirst--Meine Herren, wollt ihr gehen, und
die Truppen mustern? Ich versichre euch, das ich nicht weis, wie
ich die Sachen, in der Unordnung, worinn sie mir in die Hande
gegeben worden, ordnen soll.--Beyde sind meine Bruders-Sohne; der
eine ist mein Souverain, beydes mein Eid und meine Pflicht befiehlt
mir, ihn zu schuzen; der andre, gleichfalls mein Neffe, hat Unrecht
vom Konig erlidten; Gewissen und Natur befehlen mir seinem Recht
beyzustehen. Nun, etwas mus gethan seyn: Kommt, Base, ich will fur
eure Sicherheit sorgen. Geht, mustert eure Leute, und erwartet
mich zu Berkley-Castle; ich will auch nach Plaschie--Aber die Zeit
wird es nicht zulassen. Alles ist uneben, alles in der aussersten
Unordnung.
(York und die Konigin gehen ab.)
Achte Scene.
Buschy.
Der Wind ist gunstig, neue Zeitungen nach Irland zu schiken, aber
bringt keine zuruk. Wir werden nimmermehr eine hinlangliche Macht,
um dem Feind Widerstand zu thun, aufbringen konnen.
Green.
Ausserdem sind wir dem Has derer, die den Konig hassen, desto naher,
je naher wir der Liebe des Konigs sind.
Bagot.
Und das sind die unbestandigen Gemeinen; ihre Liebe ligt in ihrem
Beutel; wer ihren Beutel ausleert, fullt ihre Herzen mit todtlichem
Has.
Buschy.
Wenn dieses ist, so ist der Konig mit allen Stimmen verurtheilt.
Bagot.
Und so ist uns unser Urtheil auch gesprochen.
Green.
Gut; ich will zu meiner Sicherheit nach Bristol, der Graf von
Wiltschire ist schon da.
Buschy.
Ich will mit euch; denn von den erbitterten Gemeinen haben wir
nicht viel bessere Dienste zu gewarten, als das sie uns in Stuken
zerreissen werden. Wollt ihr mit uns, Bagot?
Bagot.
Nein; ich will zu Sr. Majestat nach Irland. Lebet wohl; wenn mir
mein Herz die Wahrheit sagt, so werden wir Drey nimmer wieder
zusammen kommen.
Buschy.
Das kommt darauf an, ob York den Bolingbroke zurukschlagen wird.
Green.
Der arme York! Das Geschafte, das er ubernommen hat, ist nicht
leichter, als wenn er den Sand zahlen, und das Meer austrinken
wollte. Wenn einer an seiner Seite ficht, so werden tausend
fliehen.
Buschy.
Lebet wohl fur ein und allemal.
Green.
Wir konnen einander wol wieder sehen.
Bagot.
Ich besorge, nimmer.
(Sie gehen ab.)
Neunte Scene.
(Verwandelt sich in eine wilde Gegend, in Glocester-Schire.)
(Bolingbroke und Northumberland treten auf.)
Bolingbroke.
Wie weit ist es noch, Milord, von hier nach Berkley?
Northumberland.
Ich bin hier fremde in Glocester-Schire; diese hohen wilden Hugel,
und diese rauhen unebnen Wege, machen unsern Marsch langsam und
sehr beschwerlich; und doch hat eure angenehmste Gesellschaft mich
beydes vergessen gemacht. Ich bedaure nur Ros und Willoughby, die
auf ihrem Weg von Ravenspurg nach Cotschold das Gluk ermangeln
mussen, so ich izt geniesse; doch die Hoffnung erleichtert ihnen
den ihrigen, und die Hoffnung des Genusses geniest beynahe schon so
viel, als der Genus selbst.
Bolingbroke.
Eure Freundschaft treibt den Werth meiner Gesellschaft viel zu hoch,
aber wer kommt hier? (Percy zu den Vorigen.)
Northumberland.
Es ist mein Sohn, der junge Heinrich Percy, von meinem Bruder
Worcester abgeschikt: Woher, Harry, was macht dein Oheim?
Percy.
Ich hoffte, Milord, bey euch Nachricht von ihm zu holen.
Northumberland.
Wie, ist er nicht bey der Konigin?
Percy.
Nein, Milord, er hat den Hof verlassen, seinen Stab zerbrochen, und
die Konigliche Hofstatt zerstreut.
Northumberland.
Wie? Aus was Ursache? Er war nicht so gesinnt, da ich ihn das
leztemal sprach.
Percy.
Weil Euer Gnaden als ein Verrather ausgeruffen worden ist. Er ist
nach Ravenspurg abgegangen, um dem Herzog von Hereford seine
Dienste anzubieten; und mich hat er nach Berkley geschikt, um die
Starke der Kriegs-Volker zu erkundigen, die der Herzog von York
daselbst zusammengebracht hat, mit dem Befehl von da gerade nach
Ravenspurg zu eilen.
Northumberland.
Hast du den Herzog von Hereford vergessen?
Percy.
Nein, Milord, man kan nicht vergessen, wessen man sich nie erinnert
hat; meines Wissens hab' ich ihn in meinem Leben nie gesehen.
Northumberland.
So lern' ihn dann izt kennen; dis ist der Herzog.
Percy.
Gnadigster Herr, ich erbiete euch meine Dienste, so wie sie sind,
schwach, roh und jugendlich; zunehmende Jahre werden sie reiffer,
und euers Beyfalls wurdiger machen.
Bolingbroke.
Ich danke dir, edler Percy; sey versichert, das ich mich in nichts
anderm so gluklich schaze, als in einem Herzen, das seiner guten
Freunde nicht vergessen kan; und so, wie mein Gluk mit deiner Liebe
reiffen wird, soll es jederzeit die Belohnung deiner treuen Liebe
seyn. Mein Herz macht diesen Vertrag, und hier siegelt ihn meine
Hand.
Northumberland.
Wie weit ist es von hier nach Berkley? und was fur Bewegungen
macht der gute alte York mit seinen Truppen dort?
Percy.
Das Schlos steht dort hinter jenem Gebusche, und ist, wie ich horte,
mit dreyhundert Mann besezt; die Lords, York, Berkley und Seymour
sind darinn, sonst niemand von Namen und Ansehn. (Ros und
Willoughby zu den Vorigen.)
Northumberland.
Hier kommen die Lords von Ros und Willoughby, blutig vom Spornen,
und feuerroth von Eile.
Bolingbroke.
Willkommen, Milords; ich weis, eure Liebe verfolgt einen verbannten
Verrather; alle meine Schaze bestehen noch in leerem Dank, der,
wenn er reicher geworden ist, die Vergeltung eurer Liebe und eurer
Dienste seyn soll.
Ross.
Eure Gegenwart macht uns reich genug, Milord;
Willoughby.
Und ersezt uns die Arbeit uberflusig, wodurch wir sie erhalten
haben.
Bolingbroke.
Immer mehr Dank!--(die Wiedervergeltung der Armen,) bis mein noch
unmundiges Gluk zu Jahren kommt, mussen Worte fur mein
erkenntliches Herz Burge seyn. Aber wer kommt hier? (Berkley zu
den Vorigen.)
Northumberland.
Es ist Milord von Berkley, daucht mich.
Berkley.
Milord von Hereford, mein Auftrag geht an euch.
Bolingbroke.
Milord, meine Antwort ist zu Lancaster; ich bin gekommen, diesen
Namen in England zu suchen, und ich mus diesen Titel in eurer Zunge
finden, eh ich auf etwas antworten kan, das ihr sagt.
Berkley.
Meine Absicht, Milord, ist gar nicht, einen Titel von euern Wurden
wegzunehmen; ich komme zu euch, Milord, (Lord wovon ihr nur wollt)
von demjenigen der izt der Erste in diesem Land ist, von dem Herzog
von York, um zu erfahren, was euch antreibt, den Vortheil der
Abwesenheit des Konigs zu nehmen, und unsern angebohrnen Frieden
durch einheimische Waffen zu schreken?
Zehnte Scene.
(York zu den Vorigen.)
Bolingbroke.
Ich werde nicht nothig haben, meine Antwort durch euch zu versenden;
hier kommt Se. Gnaden selbst. Mein edler Oheim!
(Er kniet vor ihm nieder.)
York.
Zeige mir, statt diesen betruglich demuthigen Knien ein aufrichtig
unterwurfiges Herz.
Bolingbroke.
Mein gnadigster Oheim!
York.
Stille, stille; ich will nichts von deinen Titeln; ich bin keines
Verrathers Oheim, und das Wort Gnade wird in einem verbrecherischen
Mund entweiht. Warum haben deine geachteten, verbannten Fusse sich
erfrecht, den Staub von Englands Boden zu betreten? Und, was noch
arger ist, wie haben sie sich erfrecht, so viele Meilen uber ihren
friedsamen Busen einher zu ziehen, und ihre erblassenden Einwohner
mit dem Geprange einer kriegrischen Schlacht-Ordnung zu schreken?
Kommst du, weil der gesalbte Konig abwesend ist? Wie, unbesonnener
Jungling, der Konig ist noch da, seine Gewalt ligt in einem
treuvollen Busen. War' ich nur noch Herr von jener jugendlichen
Starke wie damals, da der brave Gaunt, dein Vater, und ich, den
schwarzen Prinzen, diesen jungen Kriegsgott, mitten aus den Linien
von zehntausend Franzosen erledigten; o! wie schnell sollte dieser
izt entnervte Arm, deinen Ubermuth zuchtigen!
Bolingbroke.
Mein gnadigster Oheim, last mich nur erst wissen, von was fur einer
Art mein Verbrechen ist.
York.
Von der schlimmsten Art, Aufruhr und fluchwurdiger Hochverrath. Du
bist ein Landsverwiesener, und kommst hier, bevor deine Zeit
verflossen ist, in herausfordernden Waffen deinem Oberherrn Troz zu
bieten.
Bolingbroke.
Wie ich verwiesen wurde, war ich Hereford; nun, da ich komme, komme
ich fur Lancaster. Ich bitte Euer Gnaden, betrachtet das Unrecht,
das mir zugefugt worden, mit einem unpartheyischen Auge. Ihr seyd
mein Vater, denn mich daucht, in euch sehe ich den bejahrten Gaunt
wieder lebend. O! denn, mein Vater! Konnt ihr gestatten, das ich
verurtheilt seyn soll, ein herumschweifenden Fluchtling zu seyn,
und aller meiner Rechte und Regalien beraubt, gleichgultig
zuzusehen, wie sie unter lumpichte Taugenichts ausgetheilt werden,
die gestern noch Bettler waren? Wozu war ich gebohren? Wenn der
Konig mein Vetter, Konig von England ist, so mus es unstreitig seyn,
das ich Herzog von Lancaster bin. Ihr habt einen Sohn, den
Aumerle, mein edler Vetter; waret ihr zuerst gestorben, und er ware
so niedergetreten worden, er wurde in seinem Oheim Gaunt einen
Vater, einen eifrigen Verfechter seines Rechts, gefunden haben.
Man versagt mir die Besiznehmung von meinen angeerbten Titeln und
Gutern, wozu mir doch meine Patenten die Befugnis geben. Meines
Vaters Guter werden zerstreut und verkauft, und wie alles ubrige
unnuzer Weise durchgebracht. Was wollt ihr, das ich in solchen
Umstanden thun soll? Ich bin ein Unterthan, und reclamire das
Gesez; man versagt mir Anwalde, ich bin also genothigt, in eigner
Person die Anspruche an mein angestammtes Erbgut gelten zu machen.
Northumberland.
Der edle Herzog ist zu sehr gekrankt worden.
Ross.
Es ligt nur bey euer Gnaden, ihm Recht wiederfahren zu lassen.
Willoughby.
Schlechte Leute sind durch seine Erbguter gros gemacht worden.
York.
Milords von England, last mich euch sagen, das ich gegen die
Krankungen meines Neffen nicht unempfindlich gewesen bin, und mich
so sehr ich konnte bemuhet habe, ihm sein Recht zu verschaffen.
Aber auf eine solche Art zu kommen, in trozigen Waffen zu kommen,
und sein Recht durch unerlaubte Gewalt zu suchen, das geht nicht an;
und ihr, die ihr ihm hierinn beysteht, begunstiget die Emporung,
und seyd alle Rebellen.
Northumberland.
Der Herzog hat geschworen, das er nur gekommen sey, sein Recht zu
suchen; und ihm zu diesem zu verhelfen, haben wir alle durch einen
theuren Eid uns anheischig gemacht; und mog' auf ewig den die
Freude meiden, der seinen Eid bricht!
York.
Gut, gut, ich sehe den Ausgang dieser Waffen; ich mus es bekennen,
es ist nicht in meiner Macht, ihn zu verhindern; aber konnte ich's,
bey dem der mich erschaffen hat! ihr solltet mir alle gebunden und
in den Staub gebukt, euer verwurktes Leben von der koniglichen
Gnade erflehen! Nun, da ich ohne Krafte bin, so wisset, das ich
soviel als neutral bleiben werde. Und hiemit gehabt euch wohl; es
ware dann, das es euch beliebte, in dieses Schlos zu kommen, und
die Nacht da auszuruhen.
Bolingbroke.
Ein Anerbieten, mein Oheim, das wir annehmen wollen; aber wir
mussen Euer Gnaden erbitten, mit uns nach Bristol-Castle zu gehen,
worinn, wie man sagt, Buschy, Bagot, und ihre Mitschuldigen sich
halten, diese Raupen des gemeinen Wesens, die ich auszureuten
geschworen habe.
York.
Es mag seyn, ich will gehen--Doch nein, last mich ruhig bleiben;
ich will nicht von denen seyn, die die Geseze meines Vaterlands
brechen. Weder Feinde noch Freunde, seyd ihr mir willkommen; und
Dinge, denen nicht mehr zu helfen ist, sollen mich auch nicht mehr
bekummern.
(Sie gehen ab.)
Eilfte Scene.
(In Wales.)
(Salisbury und ein Officier treten auf.)
Officier.
Milord von Salisbury, wir haben zehen Tage gewartet, und die groste
Muhe gehabt, unsre Landleute bey einander zu behalten; da wir aber
noch immer keine Nachrichten von dem Konig erhalten, so wollen wir
wieder auseinander gehen. Lebet wohl!
Salisbury.
Gedulde dich nur noch einen einzigen Tag, du rechtschaffner
Welschmann; der Konig sezt all sein Vertrauen in dich.
Officier.
Man glaubt, der Konig sey todt; wir warten nicht langer. Die
Lorbeer-Baume in unserm Lande sind alle verdorben, Wunderzeichen
schreken die Fix-Sterne vom Himmel; der bleiche Mond schaut blutig
auf die Erde herab, und hagre Propheten lispeln furchtbare
Veranderung. Reiche Leute sehen traurig aus, und Bettler und
Spizbuben tanzen und springen; die eine, aus Furcht zu verliehren
was sie gewonnen haben, die andre, in Hoffnung durch Krieg und
Zerruttung zu gewinnen. Alles dieses sind Zeichen, die den Tod der
Konige ankundigen--Lebet wohl; unsre Landleute sind alle wieder
auseinander gegangen, und lassen sich nicht benehmen, das Konig
Richard todt sey.
(Er geht ab.)
Salisbury.
Ach! Richard! ach! mit thranenbeladnen Augen seh' ich deinen
Glanz, gleich einem fallenden Stern, vom Firmament zur Erde sinken.
Die Sonne sizt weinend im niedrigen West, und propheceyt Sturme,
Unruhen und Ungluk. Deine Freunde sind zu deinen Feinden
ubergegangen, und alle Umstande vereinigen sich zu deinem Verderben.
(Er geht ab.)
Dritter Aufzug.
Erste Scene.
(Bolingbroks Lager zu Bristoll.)
(Bolingbroke, York, Northumberland, Ros, Percy, Willoughby, mit
Buschy, und Green, als Gefangnen treten auf.)
Bolingbroke.
Bringt diese Manner naher herbey--Buschy, und Green, ich will eure
Seelen da es nun an dem ist, das sie von ihren Leibern scheiden
mussen, nicht mit so harten Vorwurfen angstigen, als euer
verderbliches Leben verdient hat, denn das ware Unbarmherzigkeit;
aber um euer Blut von meinen Handen zu waschen, will ich hier, vor
dieser Versammlung, einige Ursachen eures Todes entfalten. Ihr
habt einen Fursten, den seine Geburt und sein angebohrner Edelmuth
zu einem grossen und gluklichen Konige bestimmte, misgeleitet,
verderbt und ungluklich gemacht. Ihr habt ihn durch die
Ausschweiffungen, wozu ihr ihn reiztet, in gewissem Sinn von seiner
Konigin geschieden, die geheiligten Rechte eines koniglichen
Ehbettes geschmalert, und die schonen Wangen einer liebenswurdigen
Furstin durch die Thranen beflekt, die eure Beleidigungen aus ihren
Augen erpresten. Ich selbst, durch das Gluk meiner Geburt, ein
Prinz vom koniglichen Geblute, und von dem Konig, meinem
Blutsverwandten, werth gehalten, bis ihr durch giftige Eingebungen
mich ihm verdachtig gemacht; ich selbst habe meinen Naken unter
euern Verfolgungen beugen mussen, und, das bittre Brodt der
Verbannung essend, meinen Englandischen Athem in auslandische
Wolken verseufzt; indes, das ihr meine Herrschaften aufgezehrt,
meine Waldungen und Lusthayne ausgehauen, mein Wappen von meinen
Thoren abgerissen, und mir kein andres Zeichen ubrig gelassen habt,
wodurch ich der Welt zeigen kan, das ich ein Edelmann bin, als die
Meynung der Leute und das Blut in meinen Adern: Dieses und viel
mehr, viel mehr als zweymal so viel, verurtheilt euch zum Tode.
Sehet, das ihr Urtheil an ihnen vollzogen werde.
Buschy.
Willkommner ist mir der Streich des Todes, als Bolingbroke England
ist--Milords, gehabt euch wohl.
Green.
Mein Trost ist, das der Himmel unsre Seelen aufnehmen, und die
Ungerechtigkeit mit den Qualen der Holle straffen wird.
Bolingbroke.
Milord von Northumberland, sehet, das sie abgethan werden--Mein
Oheim, ihr sagtet, die Konigin befinde sich in ihrem Hause; um des
Himmels willen, sorget davor, das ihr geziemend begegnet werde;
sagt ihr, das ich sie meiner Ehrfurcht und Ergebenheit versichre;
traget ja Sorge dafur, das ihr mein Grus uberbracht werde.
York.
Ich habe einen von meinen Edelleuten mit Briefen abgeschikt, worinn
eure freundschaftliche Gesinnungen ausfuhrlich erklart sind.
Bolingbroke.
Ich danke euch, mein gutiger Oheim, kommt, Milords, kommt, zum
Gefecht mit Glendower und seinen Anhangern; noch eine Weile Arbeit,
und dann Feyer-Abend.
(Sie gehen ab.)
Zweyte Scene.
(Verwandelt sich in eine Kuste von Wales.)
(Trummeln und Trompeten.
Konig Richard, Aumerle, der Bischoff von Carlisle, und Soldaten
treten auf.)
Konig Richard.
Barkloughly-Castle nennt ihr jenes dort?
Aumerle.
Ja, Gnadigster Herr; wie findet Eure Majestat die Landluft, nach
den Beschwerlichkeiten der See?
Konig Richard.
Sie mus mir wol angenehm seyn--Freuden-Thranen erfullen meine Augen,
da ich noch einmal wieder den Boden meines Konigreichs betrete.
Theure Erde, ich umarme dich, obgleich Aufruhrer dich mit den Hufen
ihrer Pferde verwunden. Wie eine lang von ihrem Kinde getrennte
Mutter, beym Wiedersehn lachelnd in zartliche Thranen zerfliest, so
grus' ich dich, zugleich weinend und lachelnd, meine Erde, und
druke dich an meine Konigliche Brust. O, nahre nicht deines Konigs
Feind, holde Erde, und labe nicht mit deinen Erquikungen seinen
raubgierigen Muth: Sende die Schlangen, die deinen Gift in sich
saugen, und schwellende Kroten in ihren Weg, ihre verrathrischen
Fusse zu verwunden, die mit gewaltthatigen Tritten dich stampfen;
und wenn sie eine Blume von deinem Busen pfluken wollen, so
bewaffne sie, ich bitte dich, mit einer laurenden Natter, deren
zweygespizte Zunge den Tod in die Adern der Feinde deines Herrn
sprize. Spottet nicht, Milords, das ich leblose Dinge beschwore;
diese Erde wird ein Gefuhl haben, und diese Steine werden zu
bewaffneten Kriegern werden, eh ihr gebohrner Konig unter den
Waffen schandlicher Emporer fallen soll.
Bischoff.
Furchtet euch nicht, Gnadigster Herr; diese Gewalt, die euch zum
Konige schuf, hat Macht genug, euch troz aller Welt als Konig zu
erhalten. Aber wir mussen die Mittel ergreiffen, die uns der
Himmel anbietet.
Aumerle.
Seine Meynung ist, das wir zu schlafrig sind, Gnadigster Herr, und
dem Bolingbroke Zeit lassen, durch unsre Sicherheit immer starker
zu werden.
Konig Richard.
Untrostlicher Vetter, weisst du nicht, das wenn das forschende Auge
des Himmels hinter unsrer Halbkugel verborgen ist und der Unterwelt
leuchtet, das dann Diebe und Morder ungesehn herumschleichen und
Raubereyen und blutige Gewalt veruben; aber sobald die
wiederkehrende Sonne die stolzen Gipfel der ostlichen Hugel gluhen
macht, und ihr Licht durch jede verbrecherische Gruft blizt, das
dann Mord und Verrath und jede schandliche Sunde, aus der
Finsternis schwarzem Mantel hervorgezogen, blos und nakend da stehn,
und uber sich selbst erzittern? So, wenn dieser Rauber, dieser
verrathrische Bolingbroke, der wahrend dieser ganzen Nacht, da wir
unsern Lauf bey den Antipoden vollbrachten, ungestort
herumschwarmte, uns unsern Thron im Osten besteigen sehen wird,
werden seine Verrathereyen, in seinem schaamgluhenden Angesicht
enthullt, den Tag nicht ertragen konnen, der sie vor ihrer eignen
grauenvollen Gestalt erzittern machen wird. Alle Wasser der
ungestumen See sind nicht fahig, das geheiligte Ol von einem
gesalbten Konige wegzuwaschen; und der Athem sterblicher Menschen
kan denjenigen nicht entsezen, den der Herr zu seinem Statthalter
ernannt hat. Fur einen jeden Mann, den Bolingbroke aufgetrieben
hat, sein Schwerdt gegen unsre Crone zu ziehen, hat der Himmel fur
seinen Richard einen glorreichen Engel in himmlischem Sold, und wo
Engel fechten, da mussen schwache Menschen fallen.--
Dritte Scene.
(Salisbury zu den Vorigen.)
Konig Richard.
--Willkommen, Milord, wie weit ist eure Macht entfernt?
Salisbury.
Weder naher noch ferner als dieser schwache Arm, mein Gnadigster
Herr. Ich habe trostlose Zeitungen zu bringen. Ein einziger Tag
zu spat, hat alle deine gluklichen Tage auf Erden umwolkt. O ruffe
den gestrigen Tag zuruk, befiehl der Zeit zuruk zu kehren, und du
wirst zwolftausend streitbare Manner haben. Dieser Tag, dieser
einzige unglukselige Tag zu spat, vernichtet deine Freuden, deine
Freunde, dein Gluk und deinen Stand. Alle Welschen, haben, auf die
Zeitung von deinem Tode, sich zerstreut, oder sind zu Bolingbroke
ubergegangen.
Aumerle.
Fasset Muth, Gnadigster Herr, warum seht ihr so blas aus?
Konig Richard.
Nur noch vor einem Augenblik triumphierte das Blut von
zwanzigtausend Mann in meinem Gesicht, und nun sind sie
verschwunden; und bis wieder so viel Blut dahin zuruk kommt, hab'
ich nicht Ursach bleich und todtenhaft auszusehen? Die Zeit hat
meinen Stolz zuschanden gemacht, und wer seine Seele retten will,
flieht von meiner Seite.
Aumerle.
Beruhiget euch, Gnadigster Herr, erinnert euch, wer ihr seyd.
Konig Richard.
Ich hatte mich selbst vergessen: Bin ich nicht ein Konig? Erwache,
du schuchterne Majestat, du schlafst! Ist nicht des Konigs Name
soviel als vierzigtausend Namen? Ruste, ruste dich, mein Name; ein
elender Unterthan drauet deiner glanzenden Majestat. Seht nicht so
auf den Boden, ihr Gunstlinge eines Konigs! Sind wir nicht hoch?
Last es uns wenigstens in Gedanken seyn. Ich weis, mein Oheim York
hat ein ansehnliches Heer zu unserm Dienst aufgebracht. Aber wer
kommt hier?
Vierte Scene.
(Scroop zu den Vorigen.)
Scroop.
Ein besseres Gluk falle meinem Konige zu, als meine kummerbeladne
Zunge ihm ankundigen mus.
Konig Richard.
Mein Ohr ist offen, und mein Herz gerustet; das schlimmste was du
sagen kanst, ist nur zeitlicher Verlust. Sagst du, mein Konigreich
sey verlohren? Nun dann, es war meine Sorge; was fur ein Verlust
ist es, seiner Sorgen entlediget zu werden? Strebt Bolingbroke so
gros zu werden als wir? Grosser kan er nicht werden; und wenn er
doch immer ein Unterthan des Himmels bleibt, so bin ich das auch,
und so bleibt er meines gleichen. Emporen sich unsre Unterthanen?
Das konnen wir nicht andern; sie brechen ihre Treue gegen Gott eben
sowol als gegen uns. Ruffe immerhin Weh, Jammer, Verwustung, Fall,
Untergang; das schlimmste ist der Tod, und der Tod hat seinen
unvermeidlichen Tag.
Scroop.
Es erfreut mich, das Eure Majestat so gerustet ist, unglukliche
Nachrichten zu ertragen. Wie ein ungestumer sturmischer Tag, der
die Silberstrome so hoch uber ihre Ufer schwellen macht, als ob die
ganze Welt in Thranen zerflossen ware: So hoch uber alle Schranken
schwellt Bolingbroks Wuth, und bedekt euer geschrektes Land mit
hartem schimmerndem Stahl, und mehr als stahlernen Herzen. Weisse
Barte haben ihre nakten dunnbehaarten Schadel gegen deine Majestat
bewaffnet; Knaben mit Weiber-Stimmen bemuhen sich grob zu reden,
und schmiegen ihre weiblichen Gelenke in unbiegsam Waffen gegen
deine Crone; ja selbst Kunkel-Weiber schwingen rostige Hellebarden.
Alte und Junge stehen gegen deinen Thron auf, und alles geht
schlimmer, als ich es auszusprechen vermag.
Konig Richard.
O nur zu gut, zu gut erzahlst du eine so bose Geschichte. Wo ist
der Graf von Wiltschire? Was ist aus Buschy worden? Wo ist Green?
Das sie den Feind so ruhig sich uber unsre Grenzen haben
ausbreiten lassen? Wenn wir die Oberhand erhalten, so sollen ihre
Kopfe davor bezahlen. Ich zweifle nicht, sie haben ihren Frieden
mit Bolingbroke gemacht.
Scroop.
Sie haben Frieden mit ihm gemacht, in der That, Gnadigster Herr.
Konig Richard.
O Bosewichter, Vipern, verdammte Verrather! Hunde, die sich leicht
gewinnen lassen, einem jeden liebzukosen! Schlangen, die ich in
meinem Busen erwarmte, und die nun mein Herz durchstechen! Drey
Judasse, jeder dreymal arger als Judas! Haben sie Frieden gemacht?
Die flammende Holle bekriege ihre beflekten Seelen fur diese
Schandthat!
Scroop.
Die susseste Liebe wird, wie ich sehe, wenn sie ihre Natur andert,
zu bitterstem und todtlichstem Has. Entlasset ihre Seelen wieder
euers Fluchs; sie haben ihren Frieden mit Kopfen gemacht, nicht mit
Handen; diejenigen, denen ihr fluchet, haben des Todes
gewaltthatige Hand gefuhlt, und ligen tief in geweihtem Grund.
Aumerle.
Ist Buschy, Green, und der Graf von Wiltschire todt?
Scroop.
Ja, alle drey verlohren zu Bristol ihre Kopfe.
Aumerle.
Wo ist denn der Herzog, mein Vater, mit seinen Volkern?
Konig Richard.
O! Frage nicht wo er ist; und niemand rede mehr von Trost! Von
Grabern last uns reden, von Wurmern und Grabschriften; last uns den
Staub zu unserm Papier machen, und mit regnenden Augen unsern
Jammer auf den Busen der Erde schreiben. Last uns von Testamenten
reden, und unsre Ausrichter erwahlen--doch nein--Was konnen wir
vermachen, als unsre abgelegte Leiber der Erde? Unsre Lander,
unser Leben, alles ist Bolingbroks, und wir konnen nichts unser
nennen als den Tod, und dieses Bischen Erde, das unsre Gebeine
deken wird. Ums Himmels willen! last uns hier auf den Boden
niedersizen, und einander melancholische Geschichten vom Tod der
Konige erzahlen; wie einige entsezt, andre im Krieg erschlagen
worden; andre von den Geistern derjenigen verfolgt, so sie aus dem
Wege geraumt hatten; andre von ihren Weibern vergiftet, andre im
Schlaf umgebracht, alle ermordet!--denn in der holen Crone, die
eines Konigs sterbliche Schlafe umfast, halt der Tod seinen Hof; da
sizt das groteske Ungeheuer und spottet mit grinsendem Lacheln
seines Pomps, erlaubt ihm einen Athem-Zug, eine kleine Scene lang
zu herrschen, gefurchtet zu werden, und mit Bliken zu todten,
lispelt ihm eitle schwulstige Gedanken ein, als ob das Fleisch,
worinn sein Leben eingeschlossen ist, unzerstorbares Metall sey;
und wann er ihn so bethort hat, kommt er zulezt, durchbort mit
einer kleinen Steknadel seine Schlafe, und gute Nacht Konig!--
Bedekt eure Haupter, und verspottet nicht Fleisch und Blut mit
feyrlicher Ehrerbietung; werfet Ehrfurcht, Titel, Ceremoniel, und
alle diese Zeichen der Unterwurfigkeit weg; ihr habt mich diese
ganze Zeit her miskannt. Ich lebe von Athem wie ihr, ich habe
Bedurfnisse wie ihr, fuhle Schmerzen, habe Freunde vonnothen, wie
ihr; so abhangig, wie ich also bin, wie konnt ihr mir sagen: ich
sey ein Konig?
Bischoff.
Gnadigster Herr, weise Manner bejammern niemals ihre gegenwartigen
Ubel, sondern kommen gegenwartig den Ubeln zuvor, die sie kunftig
bejammern musten. Den Feind furchten, giebt, da die Furcht die
Starke schwacht, dem Feind einen Zuwachs von Starke in unsrer
Schwache, und so haben wir an unsrer eignen Thorheit einen Feind
mehr. Furchtet euch, so seyd ihr geschlagen; kan es euch schlimmer
gehen, wenn ihr euch wehret? Fechtet ihr und kommt um, so sterbt
ihr doch edler, als wenn ihr aus Zagheit umkommt.
Aumerle.
Mein Vater hat Truppen; schiket nach ihm, und lernet aus einem
Gliedmas einen Leib machen.
Konig Richard.
Du beschiltst mich mit Recht. Stolzer Bolingbroke, ich komme, um
durch Streiche deinen oder meinen lezten Tag zu entscheiden.
Dieser fiebrische Schauer von Furcht ist voruber; es ist eine
leichte Arbeit zu gewinnen was unser eigen ist. Sage, Scroop, wo
ligt unser Oheim mit seiner Macht? Antworte etwas besseres, als
deine dustern Blike versprechen.
Scroop.
Wol mogt ihr aus meinen dustern und kummerbeladnen Augen urtheilen,
das meine Zunge noch eine bosere Zeitung zu erzahlen hat, wie man
aus der Beschaffenheit des Himmels auf das heitre oder ungestume
Ende eines Tages zu schliessen pflegt. Ich mache den Peiniger,
indem ich das argste was ich sagen mus, in die Lange ziehe. Euer
Oheim York hat sich mit Bolingbroke vereiniget, alle eure
Nordischen Schlosser sind ubergeben, und aller euer sudlicher Adel
ist in Waffen auf seiner Parthey.
Konig Richard.
Du hast genug gesagt. Wehe dir, Vetter, das du mich von diesem
guten Weg, worauf ich war, in Verzweiflung gefuhrt hast. Was sagt
ihr izt? Was fur Hoffnung haben wir nun? Beym Himmel! ich hasse
den auf ewig, der mir zumuthen will, noch etwas zu hoffen. Geht
nach Flint-Castle, dort will ich mich ungestort dem Gefuhl meines
Jammers uberlassen. Entlasset die Mannschaft die ich noch habe,
last sie zu demjenigen gehen, der Hoffnung hat zu steigen. Ich
habe keine mehr. Wende mir niemand etwas gegen dis ein; aller Rath
ist umsonst.
Aumerle.
Nur ein Wort, Gnadigster Herr--
Konig Richard.
Schmeicheleyen in solchen Umstanden worinn ich bin, machen meine
Wunden nur tiefer. Entlast meine Leute; last sie gehen, last sie
aus Richards Nacht in Bolingbroks aufgehenden Tag.
(Sie gehen ab.)
Funfte Scene.
(Bolingbroks Lager bey Flint.)
(Ein Aufzug mit Trummeln und Fahnen, Bolingbroke, York,
Northumberland und Gefolge treten auf.)
Bolingbroke.
Diese Nachricht belehrt uns also, das die Welschen zerstreut sind,
und das Salisbury dem Konige entgegengegangen ist, der mit einer
kleinen Anzahl von Freunden kurzlich an dieser Kuste angelandet ist.
Northumberland.
Die Zeitung ist schon und gut, Milord; Richard hat sein Haupt nicht
weit von hier verborgen.
York.
Es wurde dem Lord Northumberland nicht ubel anstehen, zu sagen,
Konig Richard. O! des ungluklichen Tags, da ein geheiligter Konig
sein Haupt verbergen mus!
Northumberland.
Euer Gnaden nimmt mir's anders auf als es gemeynt war; ich lies
seinen Titel nur aus, um kurzer zu seyn.
York.
Es war eine Zeit, wo ich es euch nicht gerathen haben wollte, so
kurz mit ihm zu seyn, wenn es euch nicht gleichgultig gewesen, das
er es so sehr mit euch sey, um euch eure ganze Kopfslange kurzer zu
machen.
Bolingbroke.
Nehmet seinen Ausdruk nicht ubler auf als recht ist, mein Oheim.
York.
Und nehmet ihr nicht mehr als recht ist, mein guter Neffe; oder ihr
vergest zulezt, das der Himmel uber euerm Haupt ist.
Bolingbroke.
Ich weis es, mein Oheim, und widerseze mich seinem Willen nicht.
Wer kommt hier? (Percy zu den Vorigen.) Willkommen, Harry! Wie?
Will sich dieses Schlos noch nicht ergeben?
Percy.
Das Schlos ist gegen euern Einzug koniglich bemannt, Milord.
Bolingbroke.
Koniglich? Wie, enthalt es denn einen Konig?
Percy.
Ja, Milord, es enthalt einen Konig; Konig Richard ligt innert dem
Bezirk von jenem Leim und Stein, und bey ihm Lord Aumerle, Lord
Salisbury, Sir Stephan Scroop, und noch ein Geistlicher von
heiligem und ehrfurchtwurdigem Ansehn, dessen Name ich nicht
erfahren konnte.
Northumberland.
Vermuthlich der Bischoff von Carlisle.
Bolingbroke (zu Northumberland.)
Mein edler Lord, geht vor die Mauren dieses alten Schlosses,
fordert durch die eherne Stimme der Trompete eine Unterredung, und
sprecht so: Heinrich von Bolingbroke kusse auf seinen Knien Konig
Richards Hand, und sende ihm die Versicherung seiner
Unterthanigkeit und aufrichtigen Treue gegen seine Konigliche
Person; sagt ihm, ich sey in dem nemlichen Augenblik bereit, meine
Waffen und Volker zu seinen Fussen niederzulegen, in welchem er mir
die Widerruffung meiner Landes-Verweisung und die Wieder-Einsezung
in meine Guter freywillig garantiren wolle; wo nicht, so werde ich
mich des Vortheils meiner Macht bedienen, und den Sommer-Staub mit
Regen von Blut legen, die aus den Wunden erschlagner Englander sich
ergiessen sollen. Wie entfernt aber von Bolingbroks Herzen der
Gedanke sey, das ein solch blutiges Ungewitter den frischen grunen
Schoos von Konig Richards Land uberschwemmen solle, davon konne ihn
meine Masigung und Entfernung von allem pflichtwidrigen Gebrauch
meiner Obermacht uberzeugen. Geht, erklart ihm dieses, indessen
das wir ohne das Getose drohender Trummeln uber diese Ebne
fortziehen, damit unser Betragen, von den zerfallnen Zinnen dieses
Schlosses beobachtet, die Wahrheit unsrer Erklarung bekraftige.
Mich daucht, Konig Richard und ich sollten uns mit nicht mindern
Schreknissen begegnen, als die Elemente des Feuers und des Wassers,
wenn ihr donnernder Zusammenstos die bewolkten Wangen des Himmels
mit Thranen badet. Ist er das Feuer, so will ich das nachgiebige
Wasser seyn; er mag rasen, indes das ich meine Wasser auf die Erde
regne; auf die Erde, nicht auf ihn. Nahert euch den Mauren--Milord,
und beobachtet die Fassung des Konigs genau.
Sechste Scene.
(Aufforderung von aussen, Antwort von innen; Trompeten-Klang,
Konig Richard, Bischoff von Carlisle, Aumerle, Scroop und Salisbury
kommen auf die Mauren.)
York.
Seht, seht, der Konig tritt selbst hervor, gleich dem von Unmuth
errothenden Phobus, wenn er, aus der gluhenden Pforte des Morgens
hervorgehend, neidische Wolken gewahr wird, die sich vereiniget
haben, seinen Glanz zu verhullen, und die Pracht seines
schimmernden Zugs nach Westen zu verdunkeln. Und doch sieht er wie
ein Konig; seht, wie sein Auge, glanzend wie eines Adlers,
herrschende Majestat um sich her blizt. O beweinenswurdig, das
eine so schone Gestalt durch irgend einen Unfall entstellt werden
soll.
Konig Richard (zu Northumberland.)
Wir befremden uns, und stehen schon lange hier, auf die
ehrfurchtvolle Beugung deiner Knie zu warten, indem wir uns selbst
fur deinen gesezmasigen Konig hielten; und sind wir's, wie durfen
sich deine Gelenke vergessen, den schuldigen Tribut der
Unterthanigkeit unsrer Gegenwart zu bezahlen? Sind wir's aber
nicht, so zeige uns die Hand Gottes, die uns unsrer
Statthalterschaft entlassen hat. Denn das wissen wir, das keine
Hand von Blut und Knochen, ohne Entweihung, Diebstal und Verrath,
nach unserm geheiligten Scepter greiffen kan. Und ob ihr gleich
denkt das alle von uns abgefallen, und wir allein und von Freunden
entblost gelassen seyen, so sollt ihr doch wissen, der Allmachtige,
mein Herr, mustert um euertwillen Heere von Plagen in seinen Wolken,
die euch treffen werden, euch, die ihre Vasallen-Hande gegen mich
aufgehoben und der Majestat meiner Crone gedrauet haben, euch, und
eure noch ungebohrnen Kinder. Sagt dem Bolingbroke, (denn dort,
daucht mich, ist er,) das ein jeder Schritt den er in meinem Lande
macht, Hochverrath ist--Er ist gekommen, das purpurne Testament des
blutigen Kriegs zu offnen; aber eh die Crone, nach der er strebt,
ruhig auf sein Haupt herabsteigen wird, sollen zehentausend blutige
Cronen von Mutter-Sohnen die Blume von Englands Antliz entstellen,
die Farbe ihres jungfraulich-blassen Friedens in feurigen Grimm
verwandeln, und ihre fetten Weiden mit getreuem Englischem Blut
bethauen.
Northumberland.
Der Konig des Himmels verwehre, das unser Herr, der Konig, so mit
burgerlichen und unburgerlichen Waffen angefallen werden solle!
Nein, dein edler Vetter, Heinrich von Bolingbroke, kust voll
Ehrfurcht deine Hand, und schwort, bey dem ehrenvollen Grabmal, das
auf euers beydseitigen Ahnherrn koniglichen Gebeinen ruht, bey der
geheiligten Quelle euers gemeinschaftlichen Bluts, und bey der
Helden-Hand seines verstorbnen Vaters, und bey seiner eignen Wurde
und Ehre schwort er, das seine Ankunft keinen andern Zwek hat, als
die Besiznehmung von seinen eignen Gerechtsamen und Gutern, deren
Zurukgab er auf seinen Knien erbittet. Wird bey euerm Koniglichen
Wort ihm nur dieses zugestanden, so will er seine blinkenden Waffen
dem Rost uberlassen, seine langmahnichten Rosse den Stallen, und
sein Herz dem getreuen Dienst Eurer Majestat. Dis schwort er, so
wahr er ein Prinz ist, und so wahr ich ein Edelmann bin, glaub' ich
seinen Schwur.
Konig Richard.
Northumberland, sag' ihm, so antwortet der Konig: Sein edler Vetter
ist sehr willkommen, und alle seine Forderungen, so viel ihrer seyn
mogen, sollen ohne Widerspruch zugestanden seyn. Sag' ihm in
unserm Namen so viel verbindliches und freundschaftliches, als du
nur immer kanst.--
(zu Aumerle.)
Wir erniedrigen uns, Vetter, nicht wahr, da wir so armselig
aussehen, und so gute Worte geben? Sollen wir Northumberland zuruk
ruffen, den Verrather herausfordern lassen, und so sterben?
Aumerle.
Nein, Gnadigster Herr, bis die Zeit uns Freunde leiht, und unsre
Freunde ihre Schwerdter, bleibt uns nichts ubrig als mit Worten zu
fechten.
Konig Richard.
O Gott! o Gott! das diese meine Zunge, die das Urtheil der
Verbannung uber jenen stolzen Mann ausgesprochen, dahingebracht
seyn soll, es mit liebkosenden Worten zurukzunehmen! o das ich so
gros ware als mein Schmerz, oder kleiner als mein Name; O das ich
vergessen konnte was ich gewesen bin, oder nicht fuhlte was ich izt
bin! Schwillst du auf, stolzes Herz? Ich gebe dir alle Freiheit,
schlage wie du willt, da meine Feinde die Freyheit haben, dich und
mich zu schlagen.
Aumerle.
Northumberland kommt von Bolingbroke zuruk.
Konig Richard.
Was mus der Konig noch mehr thun? Mus er sich unterwerfen? Der
Konig soll es thun. Mus er abgesezt werden? Der Konig soll sich's
gefallen lassen. Mus er auch dem Namen eines Konigs entsagen? In
Gottes Namen, es sey so. Ich will meine Juweelen fur einen
Rosenkranz geben, meinen Palast fur eine Einsiedeley, meine
schimmernden Kleider fur einen Bettlers-Mantel, mein goldnes
Geschirr fur einen holzernen Teller; meinen Scepter fur einen
Pilgrims-Stab, meine Unterthanen fur ein Paar geschnizte Heilige,
und mein grosses Konigreich fur ein kleines Grab; ein kleines,
kleines Grab--ein dunkles Grab!--Oder ich will auf des Konigs
Landstrasse begraben werden, auf einem ungangbaren Weg, wo meiner
Unterthanen Fusse stundlich auf ihres Konigs Haupt trappen mogen;
denn auf mein Herz treten sie, da ich noch lebe; warum nicht auf
mein Haupt, wenn ich begraben bin?--Aumerle, du weinst? Mein
weichherziger Vetter! Wir wollen boses Wetter mit unsern
verachteten Thranen machen; unsre Seufzer und Thranen sollen das
Sommer-Korn legen, und eine Theurung in dieses rebellische Land
bringen. Oder wollen wir uns aus unserm Jammer eine Kurzweile
machen? Irgend ein artiges Spiel aus unsern fliessenden Thranen?
Als etwann, sie so lange an den nemlichen Ort tropfen zu lassen,
bis sie uns ein paar Graber in die Erde eingefressen haben; und
wenn wir da ligen--Hier ligen zween Freunde, die sich ihr Grab mit
ihren Thranen gegraben haben. Wurde uns das unser Elend nicht
versussen? Wohl, wohl, ich sehe, ich rede phantastisch, und ihr
lachet uber mich. Grosmachtigster Prinz, Milord Northumberland,
was sagt der Konig Bolingbroke? Will seine Majestat dem Richard
erlauben zu leben, bis Richard stirbt? Ihr macht einen Scharr-Fus,
und Bolingbroke sagt, ja.
Northumberland.
Gnadigster Herr, er wartet in dem Hofe, mit euch zu reden; gefallt
es euch herunter zu kommen?
Konig Richard.
Herunter, herunter komm ich, wie der schimmernde Phaeton, da er die
unbandigen Sonnen-Pferde nicht zu regieren wuste. In den Hof
herunter, ein Konig in den Hof herunter, auf den Ruf eines
Verrathers, um ihm seine Begnadigung zu geben. Herunter dann,
Konig, herunter!
Bolingbroke.
Was sagt seine Majestat?
Northumberland.
Kummer und Sorgen machen ihn wunderlich, und wie ein Mann der nicht
recht bey sich selbst ist, reden. Izt ist er da.
Bolingbroke (kniend.)
Tretet alle zuruk, und bezeuget Sr. Majestat eure schuldige
Ehrfurcht. Mein Gnadigster Herr--
Konig Richard.
Mein edler Vetter, ihr demuthiget eure furstlichen Knie zu tief,
indem ihr die niedrige Erde stolz macht sie zu beruhren. Mir ware
lieber, wenn mein Herz eure Liebe fuhlte, als das mein
unbefriedigtes Aug' eure Hoflichkeit sieht. Auf, Vetter, auf; euer
Herz ist zum wenigsten so hoch,
(er deutet mit der Hand auf seine Crone)
wenn eure Knie schon so niedrig sind.
Bolingbroke.
Mein Gnadigster Herr, ich komme nur fur das, was mein eigen ist.
Konig Richard.
Euer Eigenthum ist euer, ich bin euer, alles ist euer.
Bolingbroke.
In so fern moge Eure Majestat mein seyn, mein Gnadigster Souverain,
als meine getreuen Dienste eure Liebe verdienen werden.
Konig Richard.
Ihr verdienet alles; wer verdient mehr zu haben, als wer den
sichersten und kurzesten Weg kennt, zu gewinnen? Oheim, gebt mir
eure Hand; nein, troknet eure Augen; Thranen sind nur hulflose
Zeichen der Liebe. Vetter, ich bin zu jung euer Vater zu seyn, ob
ihr gleich alt genug seyd, mein Erbe zu seyn. Ich will euch geben
was ihr haben wollt, und noch dazu mit Willen. Denn warum sollen
wir nicht wollen, was wir mussen? Ziehet fort nach London. Ist
das nicht eure Absicht, Vetter?
Bolingbroke.
Ja, Gnadigster Herr.
Konig Richard.
So darf ich nicht nein sagen.
(Trompeten. Sie gehen ab.)
Siebende Scene.
(Ein Garten im Hofe der Konigin.)
(Die Konigin tritt mit zwoen Damen auf.)
Konigin.
Was fur eine Kurzweil wollen wir uns in diesem Garten machen, um
unsre kummervolle Gedanken zu vertreiben?
Lady.
Gnadigste Frau, wir wollen mit Kugeln spielen.
Konigin.
Das wurde mich denken machen, das die Welt voller Rauhigkeit und
Zaken ist, und das mein Gluk, wie eine Kugel, die ihre Kraft
verlohren hat, seitwarts rennt.
Lady.
Madam, so wollen wir tanzen.
Konigin.
Meine Fusse konnen kein Maas* im Vergnugen halten, wenn mein armes
Herz kein Maas in seinem Kummer halt. Also nichts vom Tanzen,
Madchen; irgend ein andres Spiel.
{ed.-* Wortspiel mit dem Wort (measure), welches Cadenz, und Maas
heist.}
Lady.
So wollen wir Mahrchen erzahlen, Gnadigste Frau.
Konigin.
Traurige oder lustige?
Lady.
Von beyderley Gattung, Madam.
Konigin.
Von keiner von beyden, Madchen. Die Frolichen wurden nur die
Erinnerung meiner Schmerzen desto lebhafter machen, weil sie mir
die Freude zeigten, die mir fehlt; und die Traurigen wurden noch
mehr Bekummernis zu derjenigen hinzuthun, die ich schon habe.
Lady.
So wollen wir singen, Gnadigste Frau.
Konigin.
Es ist gut, wenn du Ursache dazu hast; aber du wurdest mir besser
gefallen, wenn du weinen wurdest.
Lady.
Ich konnte wol weinen, Gnadigste Frau, wenn es euch besser machte.
Konigin.
Und ich konnte weinen, wenn mir weinen besser machte, ohne das ich
eine Thrane von dir entlehnen muste. Aber warte, hier kommen die
Gartner. Wir wollen uns in den Schatten dieser Baume verbergen--
Sie werden vom Staat reden, wie alle Welt, wenn eine Veranderung im
Werk ist. (Ein Gartner mit zween Garten-Jungen tritt auf;
die Konigin und ihre Damen treten bey Seite.)
Gartner.
Geh, binde du jene hangenden Apricosen auf, die, wie ungerathene
Kinder, ihren Vater durch ihr verschwendrisches Gewicht zu Boden
ziehen; unterstuze ein wenig die neigenden Zweige. Geh du, und
haue, gleich einem Nachrichter, die Kopfe der zu
hochaufschiessenden Stauden-Gewachse ab, die zu ubermuthig in
unserm gemeinen Wesen aussehen. In unsrer Regierung mus alles eben
seyn. Unterdessen das ihr so beschaftigst seyd, will ich gehen,
und das unnuze Unkraut ausjaten, das den gesunden Pflanzen die
Nahrung entzieht.
Junge.
Wie verlangt ihr von uns, das wir in dem Bezirk eines Zauns, Geseze,
Form, und gehoriges Ebenmaas beobachten, und wie in einem Model
einen wolgeordneten Staat zeigen? Indes das unser vom Meer
eingeschlosner Garten, das ganze Land voller Unkraut ist, seine
schonsten Blumen zerknikt, seine fruchtbaren Baume alle ungepuzt,
seine Zaune eingerissen, seine Knoten alle verwirrt sind, und seine
heilsamen Gewachse von Raupen wimmeln?
Gartner.
Schweige du; derjenige, dessen Fruhling so wild und zugellos war,
hat nun den Fall seiner Blatter erfahren. Der Epheu, der unter dem
Schirm seiner weitverbreiteten Zweige emporwuchs, und ihn zu
unterstuzen schien, indem er ihn aussog, ist aller bis auf die
Wurzeln, von Bolingbroke ausgereutet worden; ich meyne den Grafen
von Wiltschire, Buschy, und Green.
Junge.
Was, sind sie todt?
Gartner.
Das sind sie, und Bolingbroke hat sich des verunglukten Konigs
bemachtiget. Wie beklagenswerth ist es, das er sein Land nicht so
gehalten hat, wie wir unsern Garten. Wir verwunden die Rinde
unsrer Frucht-Baume, weil der zu grosse Uberflus von Saft sie geil
und uppig machen, und durch zuviel Reichthum zu grund richten wurde.
Hatte er es mit den Menschen so gemacht, die zu gros und uppig
wuchsen, sie mochten die Zeit erlebt haben das sie ihm nuzliche
Fruchte getragen, und er, das er sie gekostet hatte. Wir schneiden
alle uberflusigen Aste weg, damit die tragenden Zweige leben mogen;
hatt' er's auch so gemacht, so wurd' er selbst die Crone getragen
haben, die ihm Verschwendung und Musiggang so bald vom Haupte
gerissen.
Junge.
Was? denkt ihr dann, der Konig werde abgesezt werden?
Gartner.
Unterdrukt ist er schon, und abgesezt wird er ohne Zweifel werden.
Es sind in verwichner Nacht Briefe von einem Freund des Herzogs von
York angekommen, welche schlimme Zeitungen erzahlen.
Konigin.
O, ich werde zu todt geprest, wenn ich langer schweige--Du Ebenbild
Adams, in diesen Garten gesezt, seiner zu pflegen, wie untersteht
sich deine Zunge so leidige Zeitungen anzukundigen. Was fur eine
Eva, was fur eine Schlange hat dir eingegeben, einen zweyten Fall
des verfluchten Menschen zu machen? Wie, sagst du, Konig Richard
ist entsezt? Darfst du, kaum ein bessers Ding als die Erde die du
grabst, seinen Fall weissagen? Sprich, wo, wenn und wie kamst du
zu dieser bosen Zeitung? Sprich, du Unglukseliger!
Gartner.
Verzeihet mir, Madam. Ich habe wenig Freude davon, diese
Neuigkeiten zu sagen, aber man versichert, das sie wahr seyen.
Konig Richard ist in Bolingbroks machtiger Gewalt. Ihr Gluk wird
gegen einander abgewogen. In euers Herrn Waagschale ist nichts als
er selbst, und etliche wenige Eitelkeiten, die ihn leicht machen;
aber in der Schaale des grossen Bolingbroks ligen, ausser ihm
selbst, alle Pairs von England, und mit diesen wiegt er den Konig
Richard zu Boden. Eilet nur nach London, und ihr werdet es so
finden; ich sage nichts, als was jedermann weis.
Konigin.
Du behendes Ungluk, das so leicht auf den Fussen ist, geht deine
Gesandtschaft nicht mich an? Warum bin ich dann die lezte, die sie
erfahrt? O du denkst mich auf die Lezte zu sparen, damit ich deine
Schmerzen desto langer fuhle. [** Kommt, Ladies, wir wollen gehen,
um in London Londons Konig im Jammer aufzusuchen. Wie, ward ich
hiezu gebohren, das mein gedemuthigter Blik den Triumph des stolzen
Bolingbroks vermehren soll? Gartner, fur diese Zeitung, die du mir
erzahlt hast, wunsch' ich, das die Pflanzen, die du pflanzest,
nimmer wachsen mogen.
{ed.-** Was in [ ] eingeschlossen ist, sind Reime im Original.}
(Sie geht ab.)
Gartner.
Arme Konigin, mochte, wenn es dir helfen konnte, dein Fluch an
meinem Fleisse wahr werden!--Hier lies sie eine Thrane fallen;--
hier, an diesem Ort will ich einen Rautenstok sezen, zum Andenken,
das eine Konigin hier geweint hat.]
(Geht ab.)
Vierter Aufzug.
Erste Scene.
(Der Parlament-Saal in London.)
(Bolingbroke, Aumerle, Northumberland, Percy, Fizwater, Surrey,
der Bischoff von Carlisle, der Abbt von Westmunster, Herolde,
Officianten, Gerichtsdiener, und Bagot, treten auf.)
Bolingbroke.
Ruft den Bagot hervor--Sage nun ohne Scheu, was du von Glosters
Tode weisst; wer half dem Konige dazu, und wer vollbrachte diese
unglukselige That?
Bagot.
Wenn ihr das wissen wollt, so stellt mir den Lord Aumerle vor die
Augen.
Bolingbroke.
Vetter, tritt hervor, und sieh' diesem Mann in die Augen.
Bagot.
Milord Aumerle, ich weis eure edelmuthige Zunge verschmaht es, zu
laugnen was sie einmal gesagt hat. In jener Zeit, da Glosters Tod
angezettelt wurde, horte ich euch sagen: Ist mein Arm nicht lang
genug, da er von dem ruhigen Englischen Hof bis nach Calais an
meines Oheims Kopf reicht? Unter vielen andern Reden, hort ich
euch damals auch dieses sagen: Ihr wolltet eher hunderttausend
angebotne Cronen ausschlagen, als das Bolingbroke nach England
zuruk komme; und ihr seztet hinzu, wie gluklich dieses euers
Vetters Tod dieses Land machen wurde.
Aumerle.
Prinzen und Milords, was fur eine Antwort soll ich diesem
niedertrachtigen Mann geben? Soll ich meine schonen Sterne so sehr
entehren, und ihm wie einem der meines gleichen ist, antworten.
Und doch mus ich, oder ich mus es leiden, meine Ehre von dem Geifer
seiner verlaumderischen Zunge beflekt zu sehen. Hier ist mein
Pfand,
(er wirft seinen Handschuh hin,)
das Siegel des Todes, das dich fur die Holle auszeichnet. Du
liegst, und ich will, das es falsch ist was du sagst, mit deinem
Herzens-Blut beweisen, so unwurdig es auch ist, den Stahl meines
ritterlichen Schwerdts zu besudeln.
Bolingbroke.
Bagot, nim dich in Acht; du sollt es nicht aufheben.
Aumerle.
Einen einzigen ausgenommen, wollt' ich, der Beste in dieser
Versammlung hatte mich so herausgefordert.
Fizwater.
Wenn du es zufrieden bist, das ein andrer seinen Plaz nehme, so ist
hier mein Pfand gegen das Deinige. Bey dieser schonen Sonne, die
mir zeigt, wo du stehst, ich horte dich sagen, und du sprachst es
mit einem pralerischen Ton, du seyest die Ursach von des edlen
Glosters Tod gewesen. Wenn du das laugnest, so lugst du eine
zwanzigfache Luge, und mit diesem meinem Schwerdt will ich sie in
dein Herz zuruk stossen, worinn sie ausgebrutet wurde.
Aumerle.
Feige Memme, du hast das Herz nicht, so lange zu leben, das du
diesen Tag sehest.
Fizwater.
Bey meiner Seele, ich wollt' es ware in dieser Stunde.
Aumerle.
Fizwater, dis verdammt dich zur Holle.
Percy.
Aumerle, du lugst; o seine Ehre ist in dieser Anklage so rein, als
du ein Bosewicht bist. Und das du es bist, das will ich, hier ist
mein Pfand dafur, bis zum lezten Lebens-Athem an dir beweisen.
Heb' es auf, wenn du Muth hast.
Aumerle.
Und wenn ich es nicht thue, o dann verdorre meine Hand, und
schwinge niemals wieder den rachenden Stahl uber den Helm meiner
Feinde! Wer beschuldigt mich noch mehr? Beym Himmel, ich nehm' es
mit allen auf Ich habe tausend Geister in meiner Brust, um
zwanzigtausend solchen wie ihr seyd, zu antworten.
Surrey.
Milord Fizwater, ich erinnre mich der Zeit sehr wol, da Aumerle und
ihr euch mit einander sprachet.
Fizwater.
Milord, es ist wahr; ihr waret dabey, und ihr konnt mir Zeugnis
geben, das es wahr ist.
Surrey.
So falsch, beym Himmel, als der Himmel selbst wahrhaft ist.
Fizwater.
Surry, du lugst.
Surrey.
Ehrloser Bube, diese Luge soll so schwer auf meinem Schwerdte ligen,
das es Rache uber Rache nehmen soll, bis du, der mich lugen hies,
und deine Luge, so ruhig in der Erde ligen als deines Vaters
Schadel. Zu dessen Beweis, ist hier das Pfand meiner Ehre;
verbinde dich zum Kampf, wenn du das Herz hast.
Fizwater.
Wie unnothig spornst du ein feuriges Ros! Wenn ich das Herz habe
zu essen, zu trinken, Athem zu holen, so hab' ich auch das Herz,
Surrey in einer Wildnis aufzusuchen, und ihn anzuspeyen, indem ich
ihm sage, das er lugt, und lugt, und lugt: Hier ist mein Pfand, das
ich dich zur Straffe ziehen will. So wahr ich in dieser neuen Welt
zu gedeyhen wunsche, Aumerle ist meiner wahrhaften Anklage schuldig.
Uberdem horte ich den verbannten Norfolk sagen, du Aumerle,
habest zween von deinen Leuten abgeschikt, den Herzog zu Calais zu
ermorden.
Aumerle.
Ist kein ehrlicher Christ hier, der mir einen Handschuh leiht,
damit ich sagen kan, das Norfolk lugt; hier zieh ich diesen ab, das
ich es auf ihn beweisen will, wenn er zurukberuffen werden mag.
Bolingbroke.
Alle diese Handel sollen zur Entscheidung ausgesezt bleiben, bis
Norfolk zurukberuffen ist; und das soll er werden, und, ob er
gleich mein Feind ist, in alle seine Herrschaften wieder eingesezt;
wenn er wieder da ist, soll er gegen Aumerle seinen Beweis machen.
Carlile.
Dieser ehrenvolle Tag wird nie gesehen werden. Eine lange Zeit hat
der verwiesne Norfolk fur Jesum Christum, in glorreichen blutigen
Kampfen fur die Ehre des heiligen Creuzes, mit schwarzen Heiden,
Turken und Saracenen gefochten; hernach, von der kriegrischen
Arbeit abgemattet, nach Italien sich zurukgezogen, und endlich zu
Venedig seinen Leib dieser anmuthsvollen Erde, seine reine Seele
aber Christo, seinem Feldherrn, gegeben, unter dessen Fahne er so
lange gestritten hatte.
Bolingbroke.
Wie, Bischoff, ist Norfolk todt?
Carlile.
So gewis ich lebe, Milord.
Bolingbroke.
Seliger Friede fuhre seine Seele in Abrahams Schoos!--Milords
Appellanten, eure Handel sollen alle auf den gewechselten Pfandern
beruhen, bis wir euch den Tag zu eurer Probe angesezt haben.
Zweyte Scene.
(York zu den Vorigen.)
York.
Grosser Herzog von Lancaster, ich komme zu dir von dem berupften
Richard abgeschikt, der mit williger Seele dich zu seinem Erben
annimmt, und seinen hohen Scepter in deine konigliche Hand
ubergiebt. Besteige also seinen Thron, als nunmehr von ihm
abstammend, und lang lebe Konig Heinrich der vierte!
Bolingbroke.
In Gottes Namen, will ich den koniglichen Thron besteigen.
Bischoff von Carlisle.
Das verhute der Himmel! So schlimm das scheinen oder aufgenommen
werden mag, was ich in dieser koniglichen Gegenwart reden werde, so
anstandig ist es mir, die Wahrheit zu sagen. Wollte Gott, das
einer in dieser edeln Versammlung edel genug ware ein aufrichtiger
Richter des edeln Richards zu seyn; denn ein wahrer Edelmuth wurde
ihn eine so ungerechte That verabscheuen lehren. Welcher Unterthan
kan ein Urtheil uber seinen Konig sprechen? Und wer sizt hier, der
nicht Richards Unterthan ist? Diebe, so sehr auch die Umstande
wider sie zeugen, werden nicht gerichtet, ohne das man sie gehort
hat. Und soll das Bild der Gottlichen Majestat, sein Hauptmann,
und selbsterwahlter Statthalter, gesalbt, gekront, und eingethront,
von seinen Unterthanen verurtheilt werden, und er selbst nicht
dabey zugegen seyn? O verhut' es, gerechter Himmel! das in einem
Christlichen Lande, unter einem gesitteten Volk eine so scheusliche,
schwarze, unflatige That gesehen werde! Ich rede zu Unterthanen,
und als ein Unterthan; vom Himmel angetrieben red' ich so kuhn,
denn ich rede fur meinen Konig. Milord von Hereford hier, den ihr
Konig nennt, ist ein schandlicher Verrather an Herefords Konig.
Und wenn ihr ihn kront, so last mich propheceyen, Englisches Blut
wird den Boden dungen, und kunftige Zeitalter um dieser Schandthat
willen achzen. Der Friede wird zu den Turken und Unglaubigen
schlafen gehen, und in diesem Siz des Friedens, aufruhrischer Krieg,
Bruder gegen Bruder, und Burger gegen Burger erhizen. Unordnung,
ruchlose Gewalt, Mistrauen und Aufruhr wird hier wohnen, und dieses
mit Menschen-Schadeln bedekte Land Golgatha genennt werden. O wenn
ihr das konigliche Haus gegen das konigliche Haus emport, so wird
die jammervolleste Zwietracht daraus entstehen, die jemals auf
diesem verfluchten Erdboden gewuthet hat. O! vermeidet sie,
widerstehet, last es nicht so seyn, oder die Kinder eurer Kinder
werden Weh uber euch schreyen.
Northumberland.
Ihr habt vortrefflich gesprochen, Herr, und fur eure Muhe nehmen
wir euch hier wegen Hochverraths in Verhaft. Milord von
Westmunster, last es eure Sorge seyn, ihn bis zum Tag seines
Verhors wol zu verwahren. Gefallt es euch, Milords, die Bitte der
Gemeinen zu bewilligen?
Bolingbroke.
Bringet Richarden hieher, damit er vor allen Augen das Reich
ubergebe: auf diese Art wird aller Verdacht gehoben.
York.
Ich will sein Fuhrer seyn.
(Er geht ab.)
Bolingbroke.
Diejenigen von euch, Milords, die hier unter unserm Arrest sind,
mogen fur ihre Sicherheit auf den Tag ihrer Antwort besorgt seyn.
Wir sind ihrer Liebe wenig schuldig, und haben uns wenig Beystand
von ihnen zu versehen gehabt.
Dritte Scene.
(Konig Richard und York zu den Vorigen.)
Konig Richard.
Himmel, warum werde ich vor einen Konig vorgefordert, eh ich die
koniglichen Gedanken abgeschuttelt habe, womit ich regierte? Ich
habe noch nicht lernen konnen, mich einzuschwazen, zu schmeicheln,
zu buken und die Knie zu beugen. Lasset meinem Kummer noch Zeit
mich zu dieser Unterwurfigkeit anzugewohnen. Und doch will ich
mich der Zeit erinnern, da mir diese Manner gunstiger waren. Waren
sie nicht einmal mein? Rieffen sie mir nicht einmal lauter Heil
und Leben zu? Das that Judas auch gegen Christum: Aber Christus
fand unter zwolfen Treue bey allen bis auf einen, ich unter
zwolftausend gar keine. Gott erhalte den Konig!--Will niemand
sagen, Amen? Bin ich Priester und Kuster zugleich? Wol dann, Amen!
Gott erhalte den Konig, ob ich's gleich nicht bin, und auch Amen!
Wenn der Himmel mich dafur erkennt. Was fur Dienste fordert man
von mir, das man nach mir geschikt hat?
York.
Eine Handlung deines eignen freyen Willens, wozu du, der Majestat
uberdrusig, dich selbst erboten hast, die Ubergabe deines Staats
und deiner Crone.
Konig Richard.
Gebt mir die Crone--hier, Vetter, nimm die Crone, hier auf dieser
Seite, meine Hand; und auf dieser deine. Izt ist diese goldne
Crone wie ein tiefer Brunnen mit zween Kubeln, wovon einer den
andern fullt; der leere tanzt immer in der Luft, indem der andre in
der Tiefe, ungesehn und voll Wassers ist; dieser erniedrigte und
mit Thranen angefullte Kubel bin ich, der nun seinen Kummer wie
Wasser in sich schluken mus, indes das ihr in die Hohe steigt.
Bolingbroke.
Ich dachte, ihr waret willig, die Crone niederzulegen?
Konig Richard.
Die Crone, ja; aber doch bleibt mein Schmerz mein, ihr konnt mich
meiner Majestat und meines Staats entsezen, aber nicht meiner
Schmerzen; daruber bleib ich immer Konig.
Bolingbroke.
Seyd ihr's zufrieden, die Crone zu ubergeben?
Konig Richard.
Ja, nein--Nein, ja,--Denn ich mus nichts seyn--also nein, nein;
denn ich ubergebe sie dir. Nun, gebt acht wie ich mich selbst
vernichte; ich gebe diese schwere Burde von meinem Haupte weg,
diesen unbehulflichen Scepter aus meiner Hand, und den Stolz der
Konigs-Wurde aus meinem Herzen; mit meinen eignen Thranen wasch ich
meine Salbung weg; mit meinen eignen Handen geb ich meine Crone von
mir; mit meiner eignen Zunge verlaugne ich meinen geheiligten Stand,
und mit meinem eignen Athem entlasse ich alle ihrer mir
geschwornen Pflichten. Ich verschwore alle Majestat und Hoheit,
ich vergesse alle meine Domainen, Renten und Einkunfte, ich
vernichte alle meine Handlungen, Edicte und Verordnungen. Gott
verzeihe alle die Eidschwure, die an mir gebrochen werden! Gott
erhalte alle diejenigen ungebrochen, die dir gethan werden. Mogest
du lange leben, um auf Richards Stuhl zu sizen, und Richard bald im
Grabe Ruhe finden. Gott erhalte den Konig Heinrich, sagt der
entkonigte Richard, und sende ihm viele Jahre von gluklichen Tagen!--
Was ist noch mehr zu thun?
Northumberland.
Nichts mehr, als das ihr diese Anklagen und dieses Verzeichnis von
abscheulichen Verbrechen leset, die von euch selbst und euern
Anhangern gegen den Staat und das Beste dieses Landes begangen
worden; damit durch euer Gestandnis alle Welt uberzeugt werde, das
ihr mit Recht entsezt worden seyd.
Konig Richard.
Mus ich das thun? mus ich das Gewebe meiner Thorheiten Faden vor
Faden ausfaseln? Lieber Northumberland, wenn deine Sunden alle
aufgeschrieben waren, wurdest du nicht beschamt seyn, sie in einer
so schonen Gesellschaft abzulesen? Thatest du es, du wurdest einen
scheuslichen Artikel, die Absezung eines Konigs, darinn finden, den
gewaltthatigen Bruch eines geheiligten Eides, mit einem Strich der
Verdammnis im Buch des Himmels bezeichnet. O, ihr alle die ihr
hier steht und mich anseht, wie mein Ungluk mich nothigt, mich
selbst aufzureiben, wenn gleich einige von euch wie Pilatus ihre
Hande mit heuchlerischen Thranen waschen; so seyd ihr's dennoch,
ihr Pilatusse, die mich hier zu meinem bittern Creuz ausliefern,
und Wasser kan eure Sunde nicht abwaschen.
Northumberland.
Milord, beschleunigst euch, uberleset diese Artikel.
Konig Richard.
Meine Augen sind voll Thranen; ich kan nicht sehen, und doch
blendet ihr Salz-Wasser sie nicht so sehr das ich nicht einen Pak
Verrather hier beysammen sehe. Doch was sag ich? ich bin selbst
ein Verrather wie die ubrigen; denn ich habe die Einwilligung
meiner Seele zur Entsezung eines Konigs gegeben; ich habe die
Majestat entweiht, und einen Monarchen zu einem Sclaven gemacht;
ich bin ein Verrather!
Northumberland.
Milord--
Konig Richard.
Kein Lord von dir, du hohnsprechender Mann, niemands Lord; ich habe
keinen Namen, keinen Titel mehr; nein, sogar der Name der mir uber
dem Taufstein gegeben wurde, ist usurpirt. O! des ungluklichen
Tags! das ich so manche Winter uberlebt haben, und meinen eignen
Namen nicht mehr wissen soll! O! das ich ein zum Scherz aus
Schnee zusammengeballter Konig ware, und hier, vor Bolingbroks
Sonne stehend, in Wassertropfen wegschmelzen mochte!--Guter Konig,--
Grosser Konig--wenn anders mein Wort noch gangbare Munze in England
ist, so last es diesen Augenblik einen Spiegel hieher befehlen,
damit ich sehe, wie mein Gesicht aussieht, seitdem es seine
Majestat verlohren hat.
Bolingbroke.
Gehe jemand, und hole einen Spiegel.
Northumberland.
Uberleset indessen dieses Papier, bis der Spiegel kommt.
Konig Richard.
Teufel, du peinigst mich, eh ich noch in der Holle bin.
Bolingbroke.
Sezt ihm nicht weiter zu, Milord von Northumberland.
Northumberland.
Die Gemeinen werden so nicht zufrieden seyn.
Konig Richard.
Sie sollen es werden; ich will genug lesen, wenn ich das Buch sehe,
worinn, in der That, alle meine Sunden geschrieben sind, und das
bin ich selbst.
(Man bringt einen Spiegel.)
Gieb mir den Spiegel, hierinn will ich lesen--Noch keine tiefere
Runzeln! Hat der Kummer so manche Streiche auf dieses mein Gesicht
gefuhrt, und keine tiefere Wunden gemacht? O! schmeichelndes Glas!
Du betrugst mich wie die Freunde meines gluklichen Zustands--War
dieses das Gesicht, das taglich zehntausend Menschen unter seinem
Haus-Dach hielt? War dis das Gesicht, das gleich der Sonne,
diejenigen die es ansahen, blinzen machte? und nun von Bolingbrok
uberglanzt wird? Eine zerbrechliche Majestat leuchtet in diesem
Gesicht,
(er schmeist den Spiegel auf den Boden,)
und so zerbrechlich wie die Majestat, ist auch das Gesicht; denn
hier ligt es, in hundert Scherben zerbrochen. Gieb Acht,
stillschweigender Konig, auf die Moral dieses Kinderspiels; wie
schnell mein Kummer mein Gesicht zerstort hat.
Bolingbroke.
Der Schatten euers Kummers hat den Schatten euers Gesichts zerstort.
Konig Richard.
Sagt das noch einmal. Der Schatten meines Kummers! Ha, last
einmal sehen--es ist in der That so, mein Schmerz ligt ganz in
meinem Innern, und alle diese ausserlichen Zeichen von Jammer sind
blosse Schatten des unsichtbaren Grams, der in geheim in der
gepeinigten Seele schwellt. Ich danke dir, Konig, das du mir nicht
nur Ursache zum Wehklagen giebst, sondern mich auch noch lehrst,
wie ich die Ursache bejammern soll. Ich will nur noch um eine
einzige Gefalligkeit gebeten haben, und dann gehen und euch nicht
mehr beunruhigen. Werd' ich sie erhalten?
Bolingbroke.
Nennet sie, geliebter Vetter.
Konig Richard.
Geliebter Vetter! Ah! ich bin grosser als ein Konig; denn wie ich
ein Konig war, waren meine Schmeichler meine Unterthanen; nun da
ich ein Unterthan bin, hab ich einen Konig zum Schmeichler. Da ich
ein so grosser Mann bin, so hab ich nicht nothig zu bitten.
Bolingbroke.
So fordert.
Konig Richard.
Und soll ich's haben?
Bolingbroke.
Ihr sollt.
Konig Richard.
So erlaubt mir wegzugehen.
Bolingbroke.
Wohin?
Konig Richard.
Wohin ihr wollt, wenn es nur aus euerm Gesicht ist.
Bolingbroke.
Einige von euch sollen ihn nach dem Tower begleiten--Auf nachsten
Mitwoch sezen wir unsre Kronung fest: Milords, haltet euch dazu
gefast.
(Alle gehen ab, bis auf den Abbt von Westmunster, den Bischoff und
Aumerle.)
Vierte Scene.
Abbt.
Welch ein jammervolles Schauspiel, das wir hier gesehen haben!
Bischoff.
Der Jammer wird erst kommen; die noch ungebohrne Nachwelt wird
diesen Tag so scharf wie einen Dorn in ihrem Fleische fuhlen.
Aumerle.
Ihr heiligen Priester, ist denn kein Mittel, das Reich vor diesem
verderblichen Unwesen zu retten?
Abbt.
Eh ich euch hieruber mein Innerstes entdeke, sollt ihr das
Sacrament darauf empfangen, das ihr nicht nur mein Vorhaben
verschwiegen halten, sondern auch alles vollziehen wollet, was ich
euch nur immer auftragen werde. Ich sehe eure Stirne voll
Misvergnugen, euer Herz voll Gram, und eure Augen voll Thranen.
Kommt mit mir heim zum Nacht-Essen, und da wollen wir den Grund zu
einem Entwurf legen, der uns einen gluklichen Tag sehen lassen soll.
(Sie gehen ab.)
Funfter Aufzug.
Erste Scene.
(Eine Strasse in London.)
(Die Konigin mit ihren Damen tritt auf.)
Konigin.
Diesen Weg wird der Konig kommen: Dis ist der Weg zu jenem fatalen
Thurm, den Julius Casar auffuhrte, und worein der stolze
Bolingbroke meinen Herrn zur Gefangenschaft verurtheilt hat. Hier
wollen wir ausruhen; wenn diese aufruhrische Erde anders noch eine
Ruhe fur ihres rechtmasigen Konigs Gemalin hat.--
(Konig Richard tritt mit seiner Wache auf.) Aber stille! aber
seht, doch seht lieber nicht, wie verwelkt meine schone Rose ist--
Nein, seht auf, schaut und zerfliest aus Mitleiden in Thau, um ihn
mit den Thranen einer getreuen Liebe wieder frisch zu waschen. O
du, der Trummer, wo das alte Troja stand, du Ruin der Majestat, du
Grabmal von Konig Richard, und nicht Konig Richard selbst! Du
schoner Gasthof, soll Gram und Jammer in dir herbergen, indes das
Triumph der Gast in einer Bierschenke worden ist?
Konig Richard.
Vereinige dich nicht mit meinem Kummer, schones Weib, mein Ende zu
sehr zu beschleunigen. Lerne, gute Seele! unsern vorigen Zustand
als einen gluklichen Traum ansehen, von dem wir nun erwacht sind,
und uns in der That in keinen bessern Umstanden finden, als worinn
wir sind. Meine Liebe, ich bin ein geschworner Bruder der
unerbittlichen Nothwendigkeit, und wir beyde werden im Bundnis
stehen bis zum Tode. Eile du nach Frankreich, und verbirg dich in
irgend eine andachtige Freystatte. Es ist uns nichts ubrig, als
durch ein heiliges Leben die Crone in einer bessern Welt wieder zu
gewinnen, die wir durch unheilige Stunden verlohren haben.
Konigin.
Wie? Ist mein Richard an Gestalt und Gemuth verwandelt? Hat
Bolingbroke auch deinen Geist abgesezt? Ist er bis in dein Herz
eingedrungen? Ein sterbender Lowe straubt sich, und verwundet, aus
Wuth uberwaltigt zu seyn, wenigstens die Erde, wo er fiel; und du,
willt wie ein unmundiger Knabe deine Zuchtigung mit Sanftmuth
empfangen, die Ruthe kussen, und deinem Feind mit schaamwurdiger
Demuth die Fusse lecken, du, der ein Lowe, ein Konig der Thiere war?
Konig Richard.
Ein Konig von Thieren, in der That; und wenn es nichts als Thiere
gewesen waren, so war' ich noch ein gluklicher Konig von Menschen.
Meine gute ehmalige Konigin, mache dich reisefertig nach Frankreich.
Denk, ich sey todt, und das du eben hier, als bey meinem Todbette,
den lezten Abschied von mir nimmst. In verdrieslichen
Winternachten size mit guten alten Leuten zum Feuer, und las dir
Geschichten von Jammer und Ungluk erzahlen, die langst begegnet
sind; und ehe du ihnen gute Nacht giebst, erzahl' ihnen hinwieder
meinen klaglichen Fall, und schike die horenden weinend zu Bette--
Zweyte Scene.
(Northumberland und Gefolge zu den Vorigen.)
Northumberland.
Milord, Bolingbrok hat seine Gedanken geandert, ihr sollt nach
Pomfret, nicht nach dem Tower--Madam, es sind schon Anstalten
euertwegen gemacht; ihr must in moglichstes Eile nach Frankreich.
Konig Richard.
Northumberland, du Leiter, auf welcher Bolingbroke an meinen Thron
hinaufgestiegen ist; die Zeit wird nicht lange aussenbleiben, da
dein schwahrendes Verbrechen von faulem Eyter aufbrechen wird. Du
wirst denken, wenn er gleich das Reich theilt, und dir die Halfte
giebt, es sey zu wenig, weil du ihm alles gegeben habest; und er
wird denken, du, der den Weg kennt unrechtmasige Konige zu sezen,
werdest, auf die kleinste Veranlassung, auch wissen, ihn wieder, so
lang er ist, von seinem angemasten Thron herab zu sturzen. Die
Liebe lasterhafter Freunde verwandelt sich in Mistrauen, und dis
Mistrauen in Has; und der Has wird einen oder beyde dem verdienten
Untergang uberliefern.
Northumberland.
Mein Verbrechen sey uber meinem Haupt, und soviel hievon! Nehmt
Abschied von einander, ihr must scheiden.
Konig Richard.
Doppelt geschieden? Gottlose Leute, ihr entheiligt eine zweyfache
Ehe; zwischen mir und meiner Crone, und zwischen mir und meinem
vermahlten Weib. Las mich den Eid hinwegkussen, der dich und mich
vereinigt; und doch, nicht so, denn mit einem Kus ward er gemacht.
Scheid' uns, Northumberland; ich, nach Norden, wo schauernde Kalte
das kranke Clima verzehrt; meine Konigin nach Frankreich, von
wannen sie im Pomp herubergesandt wurde, geschmukt wie der holde
May, nun zuruk geschikt, verdustert und traurig wie der kurzeste
Tag.
Konigin.
Und mussen wir denn getrennt seyn? Mussen wir denn scheiden?
Konig Richard.
Ja, Hand von Hand, meine Liebe, und Herz von Herz.
Konigin.
Verbannet uns beyde, und schikt den Konig mit mir.
Northumberland.
Das ware gutig, aber sehr unpolitisch.
Konigin.
So last mich mit ihm gehen.
Konig Richard.
Weine du in Frankreich fur mich, und ich will hier fur dich weinen;
es ist besser entfernt, als naher geschieden zu seyn. Geh, zahle
deinen Weg mit Seufzern ab, ich mit Achzen den meinigen.
Konigin.
So wird der langste Weg die meisten Seufzer haben.
Konig Richard.
Ich will bey jedem Schritt zweymal achzen, weil mein Weg der
kurzere ist. Komm, komm, ein Kus soll uns den Mund schliessen, und
dann fahr' wohl; so geb' ich dir mein Herz, und so nehm' ich deines.
(Sie kussen sich.)
Konigin.
Nein, gieb mir das meinige zuruk; es ware kein schoner Abschied,
wenn ich dein Herz mit mir nehmen wollte, um es zu todten.
(Sie kussen sich wieder.)
So, nun hab' ich das Meinige wieder, damit ich mich bestreben kan,
es mit einem Seufzer zu todten.
Konig Richard.
Wir vermehren nur unsern Schmerz mit diesen zartlichen
Verzogerungen; noch einmal, leb' wohl; das ubrige las unsre Thranen
sagen.--
(Sie gehen ab.)
Dritte Scene.
(Des Herzogs von York Palast.)
(York und seine Herzogin treten auf.)
Herzogin.
Milord, ihr wolltet fortfahren, mir den Einzug unsrer beyden
Vettern in London zu erzahlen, als ihr durch Thranen genothigt
wurdet, eure Geschichte zu unterbrechen.
York.
Wo blieb ich stehen?
Herzogin.
Bey dem klaglichen Absaz, Milord, da ruchlose unmenschliche Hande
aus einem Fenster Staub und Auskehricht auf Konig Richard herunter
schutteten.
York.
Der Herzog, der grosse Bolingbroke, von einem heissen feurigen
Hengst getragen, der, als ob er seinen emporstrebenden Reuter kenne,
mit langsamem aber stolzem Schritt dahergieng, sezte also, wie ich
sagte, seinen Zug fort, indem alle Zungen ihm entgegenriefen: Gott
erhalte dich, Bolingbroke! Unzahliche weitoffne Augen schossen
ihre verlangende Blike nach ihm, und das Zujauchzen war so gros,
das ihr gedacht hattet, die Mauren selbst mit den Bildern womit sie
ubermahlt sind, hatten auf einmal zu ruffen angefangen: Gott
erhalte dich, willkommen, Bolingbroke! Indes das er, sich immer
von einer Seite zur andern drehend, mit entblostem Haupt, und alle
Augenblike bis unter seines stolzen Rosses Kopf sich bukend, ihnen
antwortete: Ich danke euch, meine Mitburger; und so zog er langsam
die Strasse durch.
Herzogin.
O Jammer! Armer Richard! Wie gieng es ihm indessen?
York.
Wie in einem Schauspiel die Augen der Leute, wenn ein beliebter
Schauspieler die Scene verlast, sich unachtsam von demjenigen
wegwenden, der zunachst auftritt, in der Einbildung, das sie nichts
als ein langweiliges Gewasche von ihm zu erwarten haben; eben so,
oder noch verachtlicher, runzelte sich jede Stirne, da Richard kam;
niemand rief. Gott erhalte ihn! Keine erfreute Zunge hies ihn in
seiner Hauptstadt willkommen; sondern Staub wurde auf sein
geheiligtes Haupt geschuttet, den er mit einem so sanftmuthigen
Schmerz und mit einem Gesicht, worinn Thranen und Lacheln, auf eine
so herzruhrende Art kampften, von sich abschuttelte, das, hatte
nicht Gott, aus irgend einer furchtbaren Ursache, die Herzen der
Menschen verhartet, sie nothwendig hatten schmelzen, und Barbarey
selbst ihn hatte beweinen mussen. (Aber der Himmel hat seine Hand
in diesen Begebenheiten, und in seinen hohen Willen mussen wir den
unsrigen ergeben. Wir sind nun Bolingbroks Unterthanen, und ihm
hab' ich nun auf ewig meine Treue angelobt.)
Vierte Scene.
(Aumerle zu den Vorigen.)
Herzogin.
Hier kommt mein Sohn, Aumerle.
York.
Der Aumerle war, und es nicht mehr ist, weil er Richards Freund war.
Ihr must ihn nunmehr Rutland nennen, Madam; ich bin Burge im
Parlament fur seine Treue gegen den neuen Konig worden.
Herzogin.
Willkommen, Sohn; wo sind nun die Veilchen, die den grunen Schoos
des jungen Fruhlings bestreuen?
Aumerle.
Madam, ich weis es nicht, und bekummre mich wenig darum. Gott weis,
das es mir gleichgultig ist, ob ich bin, oder ob ich nicht bin.
York.
Gut, betragt euch wohl in diesem Fruhling einer neuen Zeit, sonst
mochtet ihr abgeschnitten werden, eh ihr gebluht habt. Was giebts
neues von Oxford? Dauren diese Lustbarkeiten und Ritterspiele noch
immer fort?
Aumerle.
So viel ich weis, noch immer.
York.
Geht ihr auch dahin?
Aumerle.
Wenn Gott es nicht verhindert, so ist es mein Vorsaz.
York.
Was fur ein Siegel ist das, so aus deinem Busen heraushangt--Wie,
du erblassest? Las mich die Schrift sehen.
Aumerle.
Es ist nichts, Milord.
York.
So ist auch nichts daran gelegen, das ichs sehe. Ich will
befriedigt seyn, las mich die Schrift sehen.
Aumerle.
Ich bitte Euer Gnaden um Vergebung; es ist eine Kleinigkeit, die
ich aus gewissen Ursachen nicht gerne sehen lassen mochte.
York.
Die ich aus gewissen Ursachen sehen will, Herr. Ich furchte, ich
furchte--
Herzogin.
Was konnt ihr furchten, Milord? Es wird nichts als irgend eine
Handschrift seyn, die er wegen seiner Equipage zum Einzug
ausgestellt haben wird.
York.
Ich glaube du bist nicht klug, Weib--Jung, las mich die Schrift
sehen.
Aumerle.
Ich bitte euch, haltet mir's zu Gnaden; ich kan es nicht sehen
lassen.
York.
Ich will es aber sehen, sag ich--
(Er reist ihms weg und liest es.)
Verrath! Schandlicher Hochverrath! Nichtswurdiger! Verrather!
Sclave!
Herzogin.
Was ist es dann, Milord?
York.
He! wer ist da drinn? Sattlet mein Pferd. Himmel, was fur eine
Verratherey ist das!
Herzogin.
Wie, was ist es, Milord?
York.
Meine Stiefel her, sag ich; sattlet mein Pferd. Nun bey meiner
Ehre, bey meinem Leben, ich will dein Anklager seyn, Bosewicht.
Herzogin.
Was ist es dann?
York.
Still, narrisches Weibsbild.
Herzogin.
Ich will nicht still seyn; was ist es, Sohn?
Aumerle.
Meine gute Mutter, gebt euch zufrieden, es ist nichts mehr, als
wovor mein armes Leben gut stehen mus.
Herzogin.
Dein Leben!
Funfte Scene
(Ein Bedienter kommt mit Stiefeln herein.)
York.
Gieb mir die Stiefel her; ich will zum Konige.
Herzogin.
Schlag ihn zu Boden, Aumerle--(Armer Junge, du bist betaubt.) Weg,
Schurke, und komm mir nicht mehr vor die Augen.
(Zum Bedienten.)
York.
Meine Stiefel!
Herzogin.
Wie, York, was willt du thun? Du willt den Tod deines eignen Kinds
befordern? Haben wir noch mehr Sohne? Oder konnen wir noch mehr
bekommen? Willt du meinen einzigen Sohn in meinem Alter von mir
reissen, und mich des glukseligen Namens einer Mutter berauben?
Ist er nicht dein eigen?
York.
Du zartliche Thorin! Wolltest du diese schwarze
Zusammenverschworung verheeren? Ihrer Zwolfe haben das Sacrament
empfangen, und sich die Hande darauf gegeben, den Konig zu Oxford
zu ermorden.
Herzogin.
Das soll er nicht; wir wollen ihn hier behalten.
York.
Weg, narrisches Weib. War' er zwanzigmal mein Sohn, so wollt' ich
ihn angeben.
Herzogin.
Hattest du seinetwegen achzen mussen wie ich, du wurdest
mitleidiger seyn. Aber nun merke ich deine Gedanken; du argwohnest,
das ich deinem Bette ungetreu gewesen sey, und das er ein Bastard
sey, nicht dein Sohn; liebster York, liebster Gemal, denke nicht so;
er ist dir so gleich als man seyn kan; er ist weder mir noch
irgend jemand aus meiner Verwandtschaft ahnlich, und doch lieb ich
ihn.
York.
Aus dem Weg, widerspenstiges Weibsbild.
(Er geht ab.)
Herzogin.
Geh ihm nach, Aumerle; besteig' sein Pferd, sporn' es so gut, das
du vor ihm zum Konig kommst, und bitt' um Gnade, eh er dich
anklagen kan. Ich will nicht lange dahinten bleiben; wenn ich
schon alt bin, so will ich doch noch wol so schnell reiten als York;
und nimmer will ich vom Boden aufstehen, bis Bolingbroke dich
begnadigt hat. Hinweg.
(Sie gehen ab.)
Sechste Scene.
(Verwandelt sich in den Hof zu Windsor.)
(Bolingbroke, Percy, und andre Lords treten auf.)
Bolingbroke.
Kan mir niemand Nachricht von meinem ungerathnen Sohne geben? Es
sind volle drey Monate, seitdem ich ihn das leztemal sah. Wenn ja
eine Plage uber uns hangt, so ist es er; ich wollte zu Gott,
Milords, das er gefunden wurde. Fragt zu London in den
Weinschenken nach ihm, denn dort sagt man, halt er sich taglich in
Gesellschaft zugelloser luderlicher Leute auf, sogar mit solchen,
die in holen Wegen lauren und die Reisenden berauben, indes das der
junge ausgelassene Bube eine Ehre darinn sucht, eine so schandliche
Rotte zu beschuzen.
Percy.
Gnadigster Herr, es sind etwann zween Tage, das ich den Prinzen sah,
und ihm von den Ritterspielen zu Oxford erzahlte.
Bolingbroke.
Und was antwortete der Busch-Klopfer?
Percy.
Er sagte, er wolle in ein Bordel, und der gemeinsten Meze einen
Handschuh abziehen, ihn ihr zu Ehren auf den Hut steken, und damit
den herzhaftesten Ritter aus dem Sattel heben.
Bolingbroke.
So luderlich als wild; und doch seh' ich durch beydes einige Funken
von Hoffnung schimmern, welche mit zunehmenden Jahren gluklich
ausschlagen mogen. Aber wer kommt hier? (Aumerle zu den Vorigen.)
Aumerle.
Wo ist der Konig?
Bolingbroke.
Was hat unser Vetter, das er so starr und wild aussieht?
Aumerle.
Gott erhalte Euer Majestat. Ich bitte euch, etliche Augenblike mit
Euer Majestat allein sprechen zu durfen.
Bolingbroke.
Entfernet euch, und last uns hier allein; was ist dann nun die
Sache, Vetter?
Aumerle (kniend.)
Auf ewig mogen meine Knie in die Erde wachsen, und meine Zunge an
meinen Gaumen, oder Euer Majestat ertheile mir Gnade, eh ich rede!
Bolingbroke.
Was ist dein Fehler, vorgesezt, oder wurklich begangen? Wenn nur
das erste, so gros er seyn mag, so vergeb' ich ihn dir, um deine
kunftige Liebe zu gewinnen.
Aumerle.
So erlaubet mir, Gnadigster Herr, das ich den Schlussel umdrehen
darf, damit niemand herein komme, bis meine Erzahlung zu ende ist.
Bolingbroke.
Das magst du.
York (hinter der Scene.)
Gnadigster Herr, nehmt euch in Acht, seht euch vor, ihr habt einen
Verrather bey euch.
Bolingbroke (zu Aumerle.)
Nichtswurdiger, ich will bald mit dir fertig seyn--
Aumerle.
Halt deine rachende Hand zuruk, du hast keine Ursache zu furchten.
York.
Mach die Thur auf, sichrer, unbesonnener Konig; offne die Thur,
oder ich werde sie einstossen.
Siebende Scene.
(York zu den Vorigen.)
Bolingbroke.
Was giebt es, mein Oheim? Sprich, komm erst zu Athem; sag uns, wie
nah ist die Gefahr, damit wir uns waffnen konnen, ihr entgegen zu
gehen?
York.
Uberlies diese Schrift, so wirst du die Verratherey kennen, von
der ich, athemlos wie ich bin, noch nicht reden kan.
Aumerle.
Erinnre dich, indem du liesest, deines gegebnen Versprechens. Es
reuet mich, lies meinen Namen nicht, mein Herz ist kein
Bundsgenosse meiner Hand.
York.
Nichtswurdiger, dein Herz war ein Verrather, eh deine Hand es war--
ich ris es aus des Verrathers Busen, Konig. Furcht, nicht Liebe
zeugt seine Reue; habe kein Mitleiden mit ihm, oder dein Mitleiden
mochte eine Schlange werden, und dein Herz durchstechen.
Bolingbroke.
O grauliche, verwegne und machtige Verschworung! O rechtschaffner
Vater eines verratherischen Sohns, du reine, unbeflekte
Silberquelle, aus welcher dieser Strom durch sumpfige Orter
geflossen, und so sich selbst verunreinigt hat. Der Uberflus
deiner Verdienste soll diesen todtlichen Fleken von deinem
verbrecherischen Sohn abwaschen.
York.
So wurde meine Tugend die Kupplerin seines Lasters seyn; und wie
verschwendrische Sohne ihrer kargen Vater Gold, so wurde er durch
seine schandliche Thaten meine Ehre verprassen.* Meine Ehre lebt
nur, wenn seine Schande stirbt; du todtest mich, du todtest den
rechtschaffnen Mann, wenn du den Verrather leben lassest.
{ed.-* Von hier bis zur 9ten Scene lauter Reime im Original.}
Die Herzogin (hinter der Scene.)
O! Gnadigster Herr, um Gottes willen, last mich ein.
Bolingbroke.
Was fur ein hellstimmiger Supplicant macht dieses angstliche
Geschrey?
Herzogin.
Ein Weib, und deine Tante, grosser Konig, ich bin's. O lasset mich
vor, habet Mitleiden mit mir, last die Thur offnen. Eine Bettlerin
bettelt, die zuvor noch nie gebettelt hat.
Bolingbroke.
Unsre Scene hat ihre ernsthafte Gestalt verlohren, und hat sich in
den Bettler und den Konig verwandelt; mein gefahrlicher Vetter,
last eure Mutter herein, sie kommt ohne Zweifel fur euch zu bitten.
York.
Wenn du vergiebst, wer es auch sey, der dich um Gnade bittet, so
wird deine Gnade die Aufmuntrung zu neuen Verbrechen seyn.
Schneide dieses eyternde Gelenk ab, so bleibt das ubrige gesund; wo
nicht, so wird der ganze Leib angestekt werden.
Achte Scene.
(Die Herzogin von York zu den Vorigen.)
Herzogin.
O Konig, glaube nicht diesem hartherzigen Mann; wer kan jemand
andern lieben, der sich selbst nicht liebt?
York.
Du aberwiziges Weibsbild, was machst du hier?--
Herzogin.
Geduld, lieber York; horet mich, Gnadigster Herr.
(Sie kniet.)
Bolingbroke.
Steht auf, meine Tante.
Herzogin.
Noch nicht, ich bitte euch; ewig will ich hier auf meinen Knien
ligen, bis du durch die Begnadigung meines armen Sohns mir das
Leben giebst.
Aumerle.
Kniend fug' ich zu meiner Mutter Bitte die meinige.
York.
Und kniend heist mich meine Treue wider beyde bitten; nimmer wirst
du gedeyhen, wenn du Gnade widerfahren lassest.
Herzogin.
Bittet er im Ernst? O betrachtet sein Gesicht; seine Augen lassen
keine Thranen fallen, sein Bitten ist nur Verstellung, seine Worte
kommen nur aus seinem Mund, unsre aus dem Herzen; er bittet nur, um
nicht erhort zu werden, wir bitten mit Herz und Seele; seine muden
Knie, ich weis es, hoffen freudig aufzustehen; die unsrige sollen
knien, bis sie in den Boden wachsen. O so last dann unser
aufrichtiges Flehen seine heuchlerische Bitte uberschreyen!
Bolingbroke.
Meine liebe Tante, steht auf.
Herzogin.
Nein, sagt nicht, das ich aufstehen soll, ihr habt dann zuvor seine
Begnadigung ausgesprochen. O war ich deine Amme, und sollte dich
reden lehren, Gnade sollte das erste Wort seyn, das deine Zunge
aussprechen lernte. Noch nie verlangte ich mit Ungeduld ein Wort
zu horen als izt, o Konig, sprich Gnade, so erhaltst du zwey Leben
mit einem Wort.
Bolingbroke.
Steht auf, meine gute Tante.
Herzogin.
Ich bitte nicht, um Erlaubnis, zu stehen; Vergebung ist alles,
warum ich bitte.
Bolingbroke.
Ich vergebe ihm, wie der Himmel mir vergeben soll!
Herzogin.
O! du bist ein Gott auf Erden! Wo ist ein Wort, das aus einem
koniglichen Munde schoner tont? O! Sag es noch einmal, mein
angstlich-zweifelndes Herz gewis zu machen.
Bolingbroke.
Von ganzem Herzen vergeb' ich ihm. Aber was unsern getreuen
Schwager, den Abbt, betrift--und alle ubrige von dieser zusammen-
verschwornen Rotte, die soll unerbittliches Verderben an den Fersen
ereilen!--Mein geliebter Oheim, sorget dafur, das eine hinlangliche
Anzahl von Truppen nach Oxford, oder wo diese Verrather immer seyn
mogen, abgeordnet werde. Ich will sie haben, sobald ich weis wo
sie sind, und ich schwore sie sollen in dieser Welt nicht leben!
Lebet wohl, Oheim; und ihr, Vetter, Adieu; eure Mutter hat euch
gute Dienste gethan; es ist nun an euch, einen guten Gebrauch davon
zu machen.
Herzogin.
Komm, mein alter Sohn; ich bitte den Himmel, das er dich neu mache.
(Sie gehen ab.)
Neunte Scene.
(Exton und ein Bedienter treten auf.)
Exton.
Hortest du die Worte nicht, die dem Konig entfuhren: "Hab ich denn
keinen Freund, der mich von diesen unaufhorlichen Besorgnissen
befreyen mag?" Sagte er nicht so?
Bedienter.
Das waren wurklich seine Worte.
Exton.
"Hab' ich keinen Freund?"--sagte er; er sagte es zweymal, und
zweymal mit einer gewissen Heftigkeit. That er's nicht?
Bedienter.
Er that es.
Exton.
Und indem er's sagte, sah' er mir starr ins Gesicht, als wollt' er
sagen--Ich wunsche, du war'st der Mann, der mein Herz dieser
Besorgnisse erledigen mochte--er meynte den Konig zu Pomfret. Komm,
wir wollen gehen--Ich bin des Konigs Freund, und will ihm von
seinem Feinde helfen.
(Sie gehen ab.)
Zehnte Scene.
(Verwandelt sich in das Gefangnis zu Pomfret-Castle.)
(Konig Richard tritt auf.)
Konig Richard.
Ich studiere schon lange, wie ich dieses Gefangnis, worinn ich lebe,
mit der Welt vergleichen wolle; und weil die Welt volkreich ist,
und hier kein anders Geschopf als ich selbst, so kan ich nicht
damit zurecht kommen. Und doch will ich's versuchen--Mein Gehirn
soll das Weib meiner Seele werden, und meine Seele, der Vater; und
diese zwey sollen ein Geschlecht von Gedanken mit einander zeugen,
und diese Gedanken sollen diese kleine Welt bevolkern, humorisirt,
wie die Einwohner der grossen Welt, denn kein Gedank' ist zufrieden.
Sogar die besten (die Gedanken von gottlichen Dingen) sind mit
Zweifeln untermischt, und sezen das Wort selbst dem Wort entgegen;
zum Exempel: Kommt, ihr Kleinen; und dann wieder: Es ist so schwer
zu kommen, als einem Cameel durch ein Nadelohr zu gehen.--Gedanken,
die nach Unabhanglichkeit streben, bruten unmogliche Wunder aus,--
wie diese schwachen Nagel mir eine Offnung durch die steinernen
Rippen dieser Kerker-Mauren krazen konnten, und weil sie es nicht
konnen, so zerplazen sie an ihrem eignen schwellenden Stolz.
Gedanken, die nach Vergnugen streben, schmeicheln sich selbst, "sie
seyen nicht die ersten Sclaven des Gluks, und werden nicht die
lezten seyn," (wie schelmisches Bettelvolk, wenn sie im Stok sizen,
sich damit trosten, das schon viele da gesessen sind, und noch
viele sizen werden.) Und in diesem Gedanken finden sie eine Art von
Erleichterung, indem sie ihr eignes Elend auf dem Ruken derer
tragen, die ehmals das nemliche ausgestanden haben. So spiel ich,
in einem Gefangnis, mancherley Personen, wovon keine mit sich
selbst zufrieden ist. Zuweilen bin ich ein Furst; dann macht
Verratherey, das ich mich zu einem Bettler wunsche, und das bin ich.
Alsdann uberredet mich die Durftigkeit, es sey mir besser gewesen,
da ich ein Furst war, und dann werd' ich wieder gefurstet; und
unvermerkt besinn' ich mich, das mich Bolingbroke entfurstet hat,
und da bin ich wieder nichts--Was ich aber seyn mag, so ist doch
dieses gewis, weder ich noch irgend ein andrer, wer er seyn mag,
wird eher nicht zur Ruhe kommen, bis er nicht mehr ist--Hor' ich
nicht Musik?
(Eine Musik.)
Ha, ha! Haltet den Tact; wie widrig die anmuthigste Musik ist,
wenn das Zeitmaas gebrochen, und die Proportion nicht gehalten wird!
So ist es auch mit der Musik des menschlichen Lebens--Wie kommt
es, das ich ein so feines Ohr habe, von dem kleinsten Misklang
einer verstimmten Sayte, oder eines verspateten Tons beleidigt zu
werden; und das ich kein Ohr hatte, die schlechte Zusammenstimmung
in meinem Staat, das gebrochne Zeitmaas in meiner Regierung zu
bemerken? Ich verderbte die Zeit; nun verderbt die Zeit mich. Die
Zeit hat nun ihre Stunden-Uhr aus mir gemacht; meine Gedanken sind
die Minuten, und meine jammernden Seufzer die Tone, die an mein
Herz anschlagen, und so die Stunden anzeigen--Diese Musik macht
mich narrisch--last sie schweigen; wenn sie gleich schon ofters
narrischen Leuten wieder zu ihrem Verstand geholfen hat, so scheint
es doch an mir, das sie kluge Leute narrisch mache. Und doch
gesegnet sey der, so sie mir giebt; es ist immer ein Zeichen seiner
Liebe, und Liebe zu Richard ist ein seltnes Kleinod in einer Welt,
wo der Has allezeit den Fall begleitet.
Eilfte Scene.
(Ein Stallknecht kommt herein.)
Stalknecht.
Heil, koniglicher Herr!
Konig Richard.
Grossen Dank, edler Pair. Der Wohlfeilste von uns beyden ist um
zehn Groschen zu theuer. Wer bist du? Wie kommst du hieher?
Wohin niemand kommt, als ein schwermuthiger Sclave, der mir zu
essen bringt; um mein Ungluk zu verlangern.
Stalknecht.
Ich war ein armer Stallknecht in deinem Marstall, Konig, wie du
noch ein Konig warst; und da ich unlangst nach York reisen muste,
so hab' ich um die Erlaubnis angesucht, meinen ehmaligen Herrn
sehen zu durfen. O wie weh that mir's im Herzen, wie ich in den
Strassen von London, an dem Kronungs-Tag zusehen muste, wie
Bolingbroke auf dem weis- und roth getupfelten Barber, euerm
Leibpferd, ritt; auf diesem Pferd das ihr so oft geritten, und das
ich mit so grosser Sorgfalt abgerichtet hatte.
Konig Richard.
Ritt er auf meinem Barber? Sag mir, mein guter Freund, wie gieng
er unter ihm?
Stalknecht.
So stolz, als ob er den Boden aus Verachtung nicht beruhren wolle.
Konig Richard.
So stolz, weil er Bolingbrok auf seinem Ruken hatte? Die
Schindmahre hat Brodt aus meiner koniglichen Hand gefressen; diese
Hand hat ihn so oft durch streicheln stolz gemacht. Und er
stolperte nicht? Er fiel nicht, und brach diesem ubermuthigen Mann
den Hals, der seinen Ruken usurpirte? Um Vergebung, du gutes Pferd!
du verdienst mein Schelten nicht; du warst dazu geschaffen, dem
Menschen unterthan zu seyn, und zum Tragen gebohren. Ich war zu
keinem Pferd gemacht, und doch trag' ich die Last eines Esels, und
lasse mich von dem trottenden Bolingbroke mit Sporrn zerfleischen
und zuschanden reiten.
Zwolfte Scene.
(Ein Huter mit einer Schussel, zu den Vorigen.)
Huter.
Kerl, mach' Plaz, du darfst nicht langer bleiben.
(Zum Stallknecht.)
Konig Richard.
Wenn du mich liebst, so ist es Zeit, das du gehst.
Huter.
Milord, beliebt es euch zu essen?
Konig Richard.
Kost' es vorher, wie du gewohnt bist.
Huter.
Milord, ich darf nicht; Sir Pierce von Exton, der kurzlich auf des
Konigs Befehl hieher gekommen ist, hat mir's verboten.
Konig Richard.
Der Teufel hole Heinrichen von Lancaster und dich! Die Geduld geht
mir aus.
(Er schlagt den Huter.)
Huter.
Hulfe, Hulfe, Hulfe!--(Exton und Bediente zu den Vorigen.)
Konig Richard.
Wie? was soll das bedeuten? Kommt ihr mich zu ermorden?--
Unglukseliger, stirb durch dein eignes Schwerdt!
(Er reist einem sein Schwerdt aus der Hand und stost ihn nieder.)
Geh du und full' einen andern Plaz in der Holle aus,
(er todtet noch einen; Exton schlagt ihn mit einem Streich zu Boden,
)
diese Hand soll in unausloschlichem Feuer brennen die mit des
Konigs Blut des Konigs eignes Land befleket hat!--Erheb' erhebe
dich, meine Seele, einen himmlischen Thron einzunehmen, indem mein
sterblicher Theil zur Erde sinkt.
(Er stirbt.)
Exton.
So voll von Tapferkeit als koniglichem Blut! Und dieses hab' ich
nun vergossen! O wie wollt ich, das diese That gut ware! Aber der
Teufel, der mir sagte, ich thue recht, sagt izt, das sie in die Tag-
Bucher der Holle eingeschrieben ist. Ich will nun diesen todten
Konig zu dem lebenden tragen; ihr, schleppt die ubrigen fort, und
sorgt, das sie hier begraben werden.
(Sie gehen ab.)
Dreyzehnte Scene.
(Verwandelt sich in den Hof zu Windsor.)
(Trompeten; Bolingbroke, York, Lords und Gefolge treten auf.)
Bolingbroke.
Mein geliebter Oheim York, die neueste Nachricht die wir haben, ist,
das die Rebellen unsre Stadt Cicester in Glocesterschire in Brand
gestekt haben; aber wir horen nicht, ob sie geschlagen oder
gefangen worden--
(Northumberland zu den Vorigen.) Willkommen, Milord, was bringt
ihr neues?
Northumberland.
Zuerst wunsch' ich deiner geheiligten Person und Regierung
vollkommne Glukseligkeit; die nachste Zeitung ist, das ich die
Kopfe von Salisbury, Spencer, Blunt und Kent nach London geschikt
habe. Die Umstande ihrer Gefangennehmung sind aus diesem Papier
ausfuhrlich zu ersehen.
Bolingbroke.
Wir danken dir, werther Percy, fur deine Muhe, und werden deine
Verdienste nach Wurden zu belohnen wissen. (Fizwater zu den
Vorigen.)
Fizwater.
Gnadigster Herr, ich habe die Kopfe von Broccas und Sir Bennet
Seely von Oxford nach London geschikt, von zween jener zusammen-
verschwornen Verrather, die eure Majestat zu Oxford zu unterdruken
suchten.
Bolingbroke.
Deine Bemuhungen und Verdienste sollen nicht vergessen werden,
Fizwater; ich weis und schaze ihren Werth. (Percy und der Bischoff
von Carlisle zu den Vorigen.)
Percy.
Das Haupt der Zusammen-Verschwornen, der Abbt von Westmunster, hat,
von Schwermuth und Gewissens-Bissen erdrukt, seinen Leib dem Grab
abgetreten; aber hier ist Carlisle, der euerm koniglichen Urtheil
uber sein Verbrechen sich unterwirft.
Bolingbroke.
Carlile, dis ist dein Urtheil; wahle dir irgend eine stille
geheiligte Freystadte aus, und geniesse darinn deines Lebens; und
so wie du in Ruhe leben wirst, sollst du ruhig sterben: Ob du
gleich immer mein Feind warest, so ehr' ich doch deine Tugend.
(Exton tritt mit einem Sarg auf.)
Exton.
Grosser Konig, in diesem Sarg uberliefre ich dir deine begrabne
Besorgnisse. Hierin ligt athemlos der groste von deinen Feinden,
Richard von Bourdeaux, von mir hieher gebracht.
Bolingbroke.
Exton, ich danke dir nicht; deine fatale Hand hat Schmach und Fluch
uber mein Haupt, und uber dieses ganze ruhmvolle Land gebracht.
Exton.
Aus euerm eignen Munde, Gnadigster Herr, that ich diese That.
Bolingbroke.
Man kan Gift nothig haben, aber man liebt es nicht, und ich dich
eben so wenig; ob ich ihn gleich todt wunschte, so has ich doch den
Morder, und liebe nun den Ermordeten. Nimm du die Schuld eines
bosen Gewissens fur deine Muhe, aber weder meinen Beyfall noch
meine Gnade. Geh, wandre wie Cain durch den Schatten der Nacht,
und zeige nie dem Tag dein verabscheutes Antliz. Milords, ich
schwore euch, meine Seele ist bekummert, das Blut mich besprengen
soll, damit ich wachsen moge. Kommt, leget die Farbe der
kummervollen Traurigkeit an. Ich will einen Zug in das gelobte
Land thun, um dieses Blut von meiner schuldigen Hand abzuwaschen.
Folget mir in stillschweigender Trauer, und weinet mit mir uber
dieser unzeitigen Baare.
(Sie gehen alle ab.)
Ende
Leben und Tod Konigs Richard
des zweyten, von William Shakespeare (Ubersetzt von Christoph
Martin Wieland).
END
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